Reisen

Rumänien – September 2023

Es waren wieder ein paar arbeitsreiche Wochen vergangen, doch Ende August – während viele gerade aus dem Urlaub zurückkamen – starteten wir endlich wieder los. Unser Ziel: Rumänien.
Schon im letzten Jahr hatten wir einen Anlauf genommen, das Land zu erkunden. Damals machte uns jedoch das Wetter einen Strich durch die Rechnung, und so landeten wir nach ein paar Tagen über Bulgarien in Kroatien. Auch schön – aber diesmal wollten wir Rumänien wirklich erleben.
In den letzten Wochen hatte die Hitze mit über 40 Grad das Land im Griff. Wir hofften auf angenehmere Temperaturen, auch wenn wir insgeheim ahnten: Das Wetter hat auf Reisen seinen ganz eigenen Humor.

22. August

Unsere erste Übernachtung fanden wir ein Stück vor Wien, direkt an einem Sportplatz. Ruhig gelegen, bis in der Nacht ein Gewitter aufzog. Gegen zwei Uhr früh frischte der Wind auf, ein einzelner Blitz erhellte kurz den Himmel, und ein paar Regentropfen klopften ans Dach – das war’s dann aber auch schon mit der Dramatik.

Der nächste Morgen begann unter einem bewölkten Himmel. Ein letzter Tankstopp, dann ging es ohne weitere Unterbrechung durch Ungarn. An der rumänischen Grenze standen wir rund 30 Minuten im Stau. Danach kauften wir unterwegs online eine Vignette – und rollten mit dem sprichwörtlich letzten Tropfen Sprit zur Tankstelle.
Dort kam es zu einer kleinen Verwirrung: Bei der Kartenzahlung hakte es, doch der Tankwart half uns freundlich. Über Arad wollten wir in Richtung Sibiu weiterfahren, als uns kurz vor der Stadt ein Audi überholte. Der Beifahrer hing halb aus dem Fenster, winkte wild und bedeutete uns, rechts ranzufahren.
Zu unserer Überraschung sprang der Beifahrer heraus – es war der Tankwart! Offenbar hatten wir gar nicht bezahlt, weil man in Rumänien nicht direkt an der Zapfsäule mit Karte zahlen kann, sondern immer drinnen am Schalter. Also begleiteten wir die beiden zu einem Geldautomaten – der allerdings nicht funktionierte. Nach einigem Hin und Her und einer kleinen Tankstellen-Konferenz ging es weiter nach Arad, wo wir beim zweiten Automaten endlich Erfolg hatten. Wir beglichen die Rechnung und legten zur Beruhigung aller Beteiligten noch ein großzügiges Trinkgeld drauf.
Die Aktion hatte allerdings unseren Plan zerschossen: Statt über Lipova Richtung Sibiu landeten wir auf der Autobahn nach Timişoara – und dort gibt es bis kurz vor Făget keine Ausfahrt. Unser Vorhaben, gemütlich zu essen, musste also warten.
In Făget fanden wir schließlich ein Restaurant. Einheimische empfahlen uns das Hotel Padesul, und gegenüber – hinter einer beeindruckend großen Kirche – entdeckten wir einen ruhigen Stellplatz. Das Essen schmeckte hervorragend: Hauptgericht, Suppe, Salat sowie zwei Bier und ein Radler – alles zusammen umgerechnet 22 Euro. Die Nacht verlief friedlich, sofern man das gelegentliche Hundegebell nicht als Störung betrachtet.

Der Tag begann praktisch: Gleich um die Ecke vom Stellplatz gab es einen Penny, und nach einem kurzen Einkaufsstopp frühstückten wir entspannt auf dem Parkplatz. Dann ging es weiter über Deva nach Hunedoara.

 

Hier thront eine der größten und beeindruckendsten Burgen Rumäniens – die „Schwarze Burg“, wie das Kastell auch genannt wird.
Vor der imposanten Kulisse hatte man einen mittelalterlichen Markt aufgebaut, auf dem sich Besucher sogar im Schwertkampf ausprobieren konnten.
Daneben drängten sich Souvenirshops, deren Angebot irgendwo zwischen ritterlicher Romantik und asiatischem Plastikflair schwankte.

 

Im Ort selbst stießen wir auf ein Tal mit prachtvoll verzierten Häusern. Google wusste Rat: Roma-Villen – architektonische Kreativität ohne Grenzen und offenbar auch ohne Sparplan.

Von dort ging es weiter nach Hațeg, wo man Bisons bewundern kann. Stattdessen entschieden wir uns, ein Stück zurück nach Sebeș zu fahren, um die legendäre Transalpina unter die Räder zu nehmen. Mit vollem Tank starteten wir in die Berge: durch dichte Wälder, vorbei an Ausflugslokalen und kleinen Ständen, an denen Heidelbeeren, Himbeeren und Pfifferlinge feilgeboten wurden. Am Straßenrand trottete sogar ein ausgebüxtes Schwein, das ganz offensichtlich eigene Reisepläne hatte.

Später erreichten wir einen größeren Rastplatz, wo es Essensbuden mit Honig, Käse und natürlich köstlichen „Mititei“ gab – gegrillte Hackfleischröllchen, an denen wir selbstverständlich nicht vorbeifahren konnten.

Gestärkt ging es weiter bergauf. Die Straße schlängelte sich in endlosen Serpentinen am Bergrücken entlang, und mit jedem Höhenmeter wurde die Aussicht spektakulärer. Zwischendurch setzte leichter Regen ein – was die Picknickgäste am Straßenrand allerdings nicht im Geringsten störte. Wir begegneten wilden Eseln und kurz darauf mehreren Hirten, deren Schafherde die Straße so gründlich blockierte, dass wir fast Eintritt hätten zahlen können, um weiterzukommen.
Die letzten 40 Kilometer bis Novaci waren schnell erledigt. Für die Nacht fanden wir einen Platz auf der Strecke nach Râmnicu Vâlcea und gönnten uns zum Tagesabschluss eine Pizza und ein kleines Menü im Fast-Food-Restaurant – inklusive Bier und Radler für gerade einmal 12 Euro.

Am Morgen ging es weiter Richtung Râmnicu Vâlcea, dann am Fluss entlang nach Sibiu. Unterwegs passierten wir mehrere gut besuchte Thermalbäder, doch unser Ziel war klar: der Markt in Sibiu. Leider durchkreuzte ein zäher Stau unsere Pläne – über eine Stunde Stillstand bei sommerlicher Hitze. Damit war unsere Zeitplanung dahin, denn laut Reiseführer schloss der Markt am Sonntag bereits um 14 Uhr.

Also Plan B: Statt Gemüse und Käse aus Sibiu sollten es nun die Kirchenburgen Siebenbürgens werden. Über Cisnădie und Cisnădioara fuhren wir los, legten unterwegs aber erst einmal einen wohlverdienten Zwischenstopp für ein „Mici“ mit Brot und Senf ein – klein, aber oho.
Danach ging es weiter nach Cristian, wo uns laut unserem Wohnmobilführer ganze 80 Storchenpaare erwarten sollten. Vor Ort standen zwar reichlich Nester, aber bei 37 Grad zeigte sich nur ein einzelner Storch – vermutlich hatten die anderen gerade Wellness-Tag im klimatisierten Nest.

Über weitere ehemalige deutsche Siedlungen gelangten wir schließlich zur imposanten Kirchenburg von Biertan. Direkt nebenan lockte ein Restaurant, das uns mit kräftiger Gulaschsuppe, Nockerl und frischem Brot versorgte. Zum Dessert folgten üppige Pfannkuchen mit Schokolade, Honig und Nüssen. Köstlich, ja – aber mit 39 Euro auch der bisher teuerste Genuss unserer Reise.

Am Morgen rollten wir weiter nach Sighișoara, mit dem Ziel, es noch bis Brașov zu schaffen. Kurz hinter Bran legten wir einen Fotostopp am berühmten Dracula-Schloss ein – immerhin wollte man ja nicht sagen lassen, wir wären einfach vorbeigefahren. Drinnen waren wir allerdings nicht: Der Besucherandrang war so gewaltig und die Parkplatzsuche so aussichtslos, dass wir uns das Schlangestehen sparten. Manchmal ist die Legende eben spannender als das echte Schloss.

Nun stellte sich die Frage: Wohin als Nächstes? Statt wie geplant nach Buzău zu fahren, entschieden wir uns spontan für Pitești. Der Grund: die legendäre Transfăgărășan – diese Passstraße, die selbst Jeremy Clarkson ins Schwärmen brachte. Über verschlafene Landstraßen tuckerten wir in Richtung Einstieg und fanden kurz davor einen malerischen Fluss, der sich perfekt als Übernachtungsplatz anbot. Die Nacht war ruhig – fast zu ruhig – und wir fühlten uns bestens gerüstet für das kleine Abenteuer, das uns am kommenden Morgen erwartete.

Früh am Morgen starteten wir unsere Fahrt über die legendäre Transfăgărășan – und schon die ersten Kilometer waren ein Fest für die Augen. Links und rechts sattes Grün, dazwischen glitzernde Wasserläufe, und über allem lag dieses leise Knistern, das nur Bergstraßen haben.

Kaum hatten wir den Lacul Vidraru erreicht, kam die erste Überraschung: Hinter einer Kurve lag am Straßenrand seelenruhig ein Bär.

Ein Wagen vor uns hatte angehalten, um den pelzigen Straßenrandbewohner zu bestaunen. Als das Auto weiterfuhr, rollten wir langsam näher. Wir hielten gebührenden Abstand, zückten die Kamera und beobachteten ihn. Er wirkte völlig unbeeindruckt – fast so, als gehöre dieser Auftritt zu seiner täglichen Routine.

Nach einer Weile erhob sich der Bär gemächlich, setzte sich hin und ließ den Blick schweifen, als würde er überlegen, ob sich die Zweibeiner heute wohl großzügig zeigen. Dann stand er auf, trottete in aller Seelenruhe direkt an uns vorbei, drehte wieder um und kam zurück. Wir fuhren ein paar Meter vor – er folgte uns. Dann wechselte er die Straßenseite, lief wieder zurück, und das Ganze wiederholte sich noch ein paar Mal.
Es wirkte fast, als hätte er Spaß daran, uns ein bisschen zu beschäftigen – oder als würde er schlicht auf den nächsten „Drive-in-Service“ in Form einer zugeworfenen Mahlzeit warten. Schließlich setzten wir unsere Fahrt fort, während er gelassen am Straßenrand zurückblieb, wahrscheinlich in Erwartung der nächsten neugierigen Besucher.

Wir setzten unsere Fahrt über den abenteuerlichen Pass fort – Serpentine um Serpentine schraubten wir uns immer höher. Ganz oben, direkt vor einem Tunnel, entdeckten wir ein schweres Eisentor, mit dem man die Straße offenbar komplett absperren kann. Dahinter ging es wieder bergab – und zwar genauso kurvenreich wie zuvor. Am Hang stand eine riesige Schafherde, die uns aus sicherer Entfernung musterte, als wolle sie sagen: „Na, seid ihr auch auf Sommerfrische?“ Langsam tauchten wir aus der kargen Baumkronen-Zone wieder in sattes Waldgrün ein.
An einer Abzweigung entschieden wir spontan, die rund 40 Kilometer nach Sibiu zu fahren, um einen zweiten Versuch beim Markt zu wagen. Unter der Woche hatte er bis 20 Uhr geöffnet – also alles entspannt. Für schlappe 3 Lei parkten wir ein Stück entfernt und spazierten die kurze Strecke zu Fuß. Neben Gemüse gab es nicht viel zu entdecken, aber die Ausmaße mancher Früchte waren beeindruckend: Auberginen fast einen halben Meter lang, Tomaten in Kinderkopfgröße. Für ein Kilo Tomaten zahlte man je nach Zustand umgerechnet etwa einen Euro. Wir gönnten uns ein paar „Micis“ und ließen das bunte Markttreiben auf uns wirken.

Da ein normaler Wochentag war, hatte der Markt bis 20 Uhr auf und so schafften wir es sogar rechtzeitig zum Mittagessen. Für 3 Lei Parkgebühr standen wir ein Stück weg vom Markt und liefen die kurze Strecke. Neben Gemüse gab es nicht viel anderes. Wir aßen ein paar Micis und bewunderten die riesigen Auberginen, die fast einen halben Meter lang waren. Es gab auch Tomaten, die fast kindskopfgroß waren. Für ein Kilo Tomaten bezahlte man hier um 1 Euro je nach Zustand.

Nach gut einer Stunde erreichten wir wieder unser Wohnmobil – bei knapp 49 Grad Außentemperatur fühlte sich das schon wie eine sportliche Meisterleistung an. Nach einer kurzen Pause rollten wir weiter Richtung Brașov. Auf der Strecke nach Covasna entdeckten wir das Restaurant Paprika in Ozun: großer Biergarten vorne, Parkplatz hinten – perfekt als Nachtquartier. Das Essen war gut, wenn auch nicht gerade ein Schnäppchen: Etwas über 30 Euro für Speis und Trank. Währenddessen zogen Wolken auf, dann kam starker Regen, der so schnell verschwand, wie er gekommen war.

Später, zurück im Wohnmobil, regnete es in unregelmäßigen Intervallen weiter, begleitet von kräftigem Blitzen. Gegen Morgen weckte uns ein gewaltiger Donnerschlag – und das eigentliche Gewitter begann erst jetzt. Unter düsterem Himmel fuhren wir los und machten den ersten Stopp bei Lidl. Draußen goss es in Strömen, drinnen füllten wir den Kühlschrank.

Auf der Weiterfahrt regnete es zeitweise wie aus Eimern, der Himmel hing tief und wolkenverhangen. Wir rollten durch dichte Wälder in Richtung Covasna und weiter nach Băile Balvanyos. Die Abzweigung zum Lacul Sfântu Ana nahmen wir noch voller Vorfreude – nur um kurz darauf wieder umdrehen zu müssen, weil Zufahrt und Durchfahrt gesperrt waren. Also ging es zurück bis zur Kreuzung nach Bixad, wo wir unsere Route fortsetzten.

Schon nach wenigen Kilometern entdeckten wir am Straßenrand einen Bären, der gemütlich im Gras lag – daneben ein Auto, dessen Fahrer offenbar keine Angst kannte. Er stand nur wenige Meter entfernt und war eifrig damit beschäftigt, den Bären zu füttern. Immer wieder warf er ihm großzügige Portionen zu, während das Tier völlig unbeeindruckt liegen blieb. Kein Brummen, kein Aufstehen – fast so, als wäre das hier ein ganz normaler Mittagssnack.

Als der Mann sein Futterarsenal geleert hatte, stieg er ein und fuhr davon. Wir näherten uns ebenfalls, blieben aber auf unserer Spur und hielten einen respektvollen Abstand. Der Bär ließ sich auch von vorbeifahrenden Autos nicht stören. Einmal hielt ein Wagen direkt vor uns, der Fahrer stieg aus, warf schnell etwas zu und war ebenso schnell wieder im Auto – während der Bär gemächlich aufstand, sich die Leckerei holte und anschließend wieder auf seinen Platz trottete.

Wir beobachteten das Schauspiel eine ganze Weile, machten gefühlt hundert Fotos, bis der Bär irgendwann Anstalten machte, die Böschung hinunterzusteigen. Auf halbem Weg überlegte er es sich jedoch anders, drehte um und legte sich wieder hin. Für uns war das Signal klar: Zeit, weiterzufahren.

Noch waren wir dabei, das Erlebte zu verarbeiten, als wir auf der gegenüberliegenden Fahrbahn einen Bus entdeckten. Die Passagiere drängten sich an den Fenstern, hielten ihre Handys in die Höhe und zeigten aufgeregt nach unten in die Böschung. Wir warteten, bis der Bus weiterfuhr, und fuhren dann selbst an die Stelle.

Dort begegnete uns Bär Nummer drei – ein jüngerer, deutlich nervöserer Geselle. Er versuchte immer wieder, die steile Böschung zur Straße hochzuklettern, rutschte aber ab. Dann lief er ein Stück nach hinten, startete einen neuen Versuch, gab wieder auf und verschwand kurz aus unserem Blickfeld, nur um gleich wieder zu erscheinen. Im Gegensatz zu den vorherigen Bären wirkte er unruhig und angespannt, sodass wir beschlossen, ihm lieber nicht länger Gesellschaft zu leisten und unsere Fahrt fortzusetzen.

Nach nur wenigen Kurven tauchten schon die ersten Häuser auf – kaum zu glauben, dass wir nur wenige Kilometer von den Bären entfernt waren. In Bixad wurde uns erst richtig bewusst, wie nah diese Tiere an der Stadt leben. Wahnsinn!

Von dort aus führte uns die Strecke weiter bergauf nach Gheorgheni und durch die beeindruckende Bicaz-Schlucht, deren steile Felswände uns wie ein majestätisches steinernes Tor begrüßten. Kurz hinter Bicaz machten wir einen kleinen Abstecher zum Stausee und beschlossen, am Hafen zu bleiben. Direkt am Wasser fanden wir ein einladendes Restaurant mit Blick auf den See, italienischer Musik im Hintergrund und Preisen, bei denen man gern eine Portion mehr bestellt.

Die Nacht auf dem Parkplatz war angenehm kühl und ruhig. Am nächsten Morgen fuhren wir entlang des Stausees, vorbei an Bergen, dichten Wäldern und kleinen Ortschaften, bis wir Târgu Neamț erreichten.

Von dort ging es weiter nach Suceava, dem Ausgangspunkt unserer geplanten Kloster-Tour. Unser erster Halt war die kleine, aber sehr sehenswerte Kirche in Arbore, deren bunte Fresken uns bereits von außen willkommen hießen.

Über Solca führte uns der Weg nach Sucevița, wo wir auf dem großzügigen Parkplatz direkt am Kloster unser Nachtquartier einrichteten. Zuvor genossen wir ein Abendessen in einem kleinen Restaurant – eine gute Entscheidung, denn satt und zufrieden kehrten wir zum Stellplatz zurück. 

Die Nacht war zwar angenehm kühl, aber alles andere als ruhig: In der Nähe fand eine Hochzeit statt, deren traditionelle Musik uns bis in die frühen Morgenstunden begleitete.

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich sofort das Kloster besichtigen, doch die Parkplatzwächterin verlangte erst 15 Lei (etwa 3 Euro) für die Übernachtung. Glücklicherweise war beim Klosterbesuch niemand zum Kassieren da, sodass wir das beeindruckende Bauwerk ungestört und kostenfrei erkunden konnten.

Anschließend schlängelten wir uns über zahlreiche Serpentinen weiter nach Vatra Moldoviței, von dort über Vama nach Gura Humorului, wo wir schließlich das Kloster Humor besuchten. Für den Eintritt wurden 10 Lei pro Person fällig – ein kleiner Obolus für das, was uns erwartete.

Drinnen offenbarte sich ein wahres Kunstwerk: Die Innenräume sind mit farbenprächtigen Fresken geschmückt, die biblische Geschichten so lebendig erzählen, dass man fast glaubt, die Figuren könnten jeden Moment zum Leben erwachen. Wände, Decken und sogar die Eingangstore sind mit filigranen Malereien bedeckt – ein echtes Fest für die Kamera. Kein Wunder, dass wir uns hier lange aufhielten und immer wieder neue Details entdeckten.

Auf dem Rückweg führte uns die Route durch das idyllische Vatra Dornei, eingebettet in grüne Hügel und frische Bergluft. Weiter ging es kurvig durch dichte Wälder Richtung Borsa, wo uns die Natur mit klaren Bächen und beeindruckenden Bergpanoramen begeisterte.

Danach besuchten wir die Moldovița-Kirche, ein weiteres Juwel der Bukowina. Auch hier erwarteten uns bunte Fresken, die Außenwände waren wie mit einem Comic aus dem 16. Jahrhundert bemalt. Die Kirche strahlt eine ruhige, fast magische Atmosphäre aus – kein Wunder, dass sie zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Unsere Kameras glühten erneut, da jede Ecke faszinierende Details bot.

 

Schon ein Stück vor Borsa entdeckten wir am Straßenrand ein Schild zu einer Fischzucht. Neugierig bogen wir ab, und auf dem kleinen Parkplatz durften wir sogar über Nacht bleiben – ein Glücksgriff nach einem langen Reisetag. Das Highlight: Für kleines Geld gab es eine riesige, frisch gefangene Forelle, die so lecker war, dass wir fast vergaßen, noch weiterfahren zu wollen.

Die hölzernen Kirchen im Maramureș-Stil verzauberten uns sofort: Mit ihren hohen, spitzen Türmen sehen sie aus, als kämen sie direkt aus einem Märchenbuch. Rustikal, charmant und magisch – als hätten sie unzählige Geschichten aus dem Herzen der Karpaten erlebt.

An den Häusern dieser malerischen Region hängen überall Töpfe – und das ist keine bloße Dekoration. Diese Töpfe sind ein lebendiges Zeichen bevorstehender Hochzeiten oder Verlobungen. Es ist eine uralte Tradition, bei der die Töpfe nicht nur sichtbar befestigt, sondern auch laut angeschlagen werden, um Glück zu bringen und böse Geister zu vertreiben. So wird im Dorf Gemeinschaft spürbar, die Feierlaune geweckt und ein Stück gelebte Kultur lebendig gehalten.

Die geschnitzten Toreingänge in Rumänien sind einfach beeindruckend. Man spürt die Liebe zum Detail, die in jedes einzelne Tor eingeflossen ist. Jedes erzählt seine eigene Geschichte – mit filigranen Mustern, religiösen Motiven oder traditionellen Symbolen, die die Handwerkskunst der Region widerspiegeln. Es fühlt sich an, als würde man durch ein Kunstwerk schreiten, das nicht nur schön aussieht, sondern auch einen Teil rumänischer Kultur und Geschichte in sich trägt. Ein bisschen wie ein Märchen.

Die Holzkirchen in Rumänien, besonders in Maramureș, sind einzigartige Bauwerke mit hohen Türmen und kunstvollen Schnitzereien. Sie bestehen aus lokalem Holz und zeigen die meisterhafte Handwerkskunst der Region. Diese Kirchen sind nicht nur spirituelle Orte, sondern auch lebendige Zeugnisse traditioneller Kultur und Geschichte.

Die Mănăstirea Bârsana ist ein echtes Highlight – vor allem für Fans der Holzarchitektur. Die Klosterkirche wirkt, als hätte ein leidenschaftlicher Holzliebhaber sie persönlich gebaut, mit kunstvollen Schnitzereien und rustikalem Charme. Während unseres Besuchs konnten wir uns kaum sattsehen und stellten uns vor, wie viel Geduld und Liebe in jedes Detail geflossen sein muss. Ein Ort, der nicht nur spirituell beeindruckt, sondern auch optisch einiges hermacht – und dazu duftet es herrlich nach Holz. Ein unvergessliches Erlebnis.

Am Ende des Tages erreichten wir nahe der ukrainischen Grenze den „lustigen Friedhof“ Cimitirul Vesel. Dieser Friedhof überraschte uns: Statt düsterer Grabsteine empfingen uns knallbunte Holzkreuze mit frechen und witzigen Sprüchen über die Verstorbenen. Hier wird das Leben gefeiert – sogar nach dem letzten Atemzug. Ein charmanter, fast schon fröhlicher Umgang mit dem Tod, der zeigt, wie viel Gelassenheit und Humor die Menschen hier haben.

Der „Cimitirul Vesel“ in Săpânța ist ein Friedhof wie kein anderer: Statt düsteren Grabsteinen sieht man hier bunte Holzkreuze mit humorvollen und oft frechen Sprüchen über die Verstorbenen. Diese lebendige und fröhliche Art des Gedenkens zeigt, wie die Menschen hier den Tod mit Gelassenheit und einem Lachen feiern – ein faszinierendes Beispiel für gelebte Kultur und eine ganz besondere Stimmung.

Weiter ging es über Baia Mare nach Satu Mare. In einem Restaurant wartete neben uns eine Hochzeitsgesellschaft auf die Braut und ihre Familie. Als wir fertig waren, kam die Gesellschaft an, und wir zogen uns schnell in unser Wohnmobil zurück – eine Entscheidung, die wir später bereuten. Die ganze Nacht herrschte großes Halligalli, und erst gegen 7 Uhr morgens endete die Feier. Schlaf war Mangelware!

Am nächsten Morgen steuerten wir noch einmal Lidl an – das letzte Mal in Rumänien – bevor wir das Land endgültig verließen. Die Reise führte uns weiter durch Ungarn und die Slowakei, wo wir in Košice eine Pause zum Essen einlegten. Etwas außerhalb der Stadt fanden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz.

Von dort fuhren wir weiter über Poprad, durch den Nationalpark Tatra bis nach Zakopane in Polen. Die beeindruckende Landschaft begeisterte uns, doch in Bielsko-Biała merkten wir: Polen ist nicht ganz unser Ding. Am nächsten Tag setzten wir unsere Reise in die Tschechische Republik fort.

In Ostrava fanden wir eine urige tschechische Wirtschaft mit gemütlichem Garten, wo wir den Tag bei gutem Essen und frisch gezapftem Bier ausklingen ließen – genau das Richtige nach den vielen Kilometern auf der Straße.

Am nächsten Tag stand ein echtes Highlight auf dem Programm: die Brauerei Radegast in Nošovice bei Frýdek-Místek. Hier konnten wir hinter die Kulissen einer der bekanntesten tschechischen Biermarken blicken und erfuhren, wie das goldene Getränk gebraut wird. Für Bierliebhaber ein absolutes Muss!

Danach besuchten wir das Walachische Freilichtmuseum in Rožnov pod Radhoštěm. Dieses Museum bietet faszinierende Einblicke in das traditionelle Leben der Walachen, einer Bergvolksgruppe in der Region.

Über ein großes Areal verteilt stehen originalgetreu restaurierte Holzgebäude – von Bauernhöfen über Werkstätten bis zu kleinen Kirchen. Man fühlt sich fast wie in eine andere Zeit versetzt, während man durch die rustikalen Höfe schlendert und traditionelle Handwerkskunst beobachtet.

Das Museum ist nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltsam inszeniert und zeigt alte Bräuche und Feste der Karpatenbewohner.

Das Museum beeindruckt durch seine liebevoll gestalteten Originalgebäude, die das traditionelle Leben der Walachen authentisch widerspiegeln. Von Bauernhöfen über Werkstätten bis hin zu kleinen Kirchen – jedes Detail wurde sorgfältig restauriert und inszeniert. Beim Rundgang fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt und bekommt einen lebendigen Einblick in die Kultur, Handwerkskunst und Bräuche der Bergvolksgruppe.

Weiter ging es nach Brünn, wo wir die Starobrno Brauerei besuchten. Die Kombination aus Tradition und modernem Brauhandwerk beeindruckte uns sehr – und natürlich durfte eine Kostprobe nicht fehlen. Für Bierfans ist so eine Brauereibesichtigung immer ein Highlight.

Auf dem Heimweg legten wir noch eine entspannte Nacht in Modrava im Böhmerwald (Šumava) ein. Die frische Luft und die ruhige Atmosphäre waren genau das, was wir nach der langen Fahrt brauchten, bevor wir schließlich wieder zu Hause ankamen.

Nach gut zwei Wochen on the road kehrten wir zurück – mit vielen neuen Eindrücken, ein paar Kilometern mehr auf dem Tacho und definitiv Lust auf die nächste Reise.

Unser Fazit: 

Unsere Reise durch Rumänien, die Slowakei, Polen und Tschechien war ein buntes Kaleidoskop aus faszinierenden Landschaften, lebendiger Kultur und herzlichen Begegnungen. Besonders die historischen Klöster mit ihren farbenprächtigen Fresken, die märchenhaften Holzkirchen im Maramureș-Stil und der ungewöhnliche „lustige Friedhof“ in Săpânța haben uns tief beeindruckt. Die Mischung aus Naturerlebnissen, kulinarischen Genüssen und kulturellen Highlights machte diese Tour zu einem unvergesslichen Abenteuer.

Trotz einiger kleiner Herausforderungen – von lauten Hochzeitsfeiern bis hin zu unterschiedlich empfundenen Regionen – haben wir jeden Moment genossen. Die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen, die wir trafen, sowie die vielfältigen Eindrücke haben unsere Perspektive erweitert und uns mit reichem kulturellem und emotionalem Gepäck nach Hause zurückkehren lassen. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Reise und die neuen Geschichten, die darauf warten, entdeckt zu werden.

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Tiergarten Schönbrunn Kurztrip 2022

🐼 Geburtstagswunsch auf vier Rädern 

Im Mai machten wir uns mit dem Wohnmobil auf den Weg nach Wien. Eigentlich wegen eines Geburtstagswunsches, der ziemlich eindeutig formuliert war: einmal den Tiergarten Schönbrunn Wien sehen und die berühmten Pandas besuchen.

Die Fahrt dorthin war überraschend friedlich. Kein Stau, kein Drama, nicht einmal eine Baustelle mit reflektierender Lebenskrise. Kurz dachten wir, wir hätten das Reisen verstanden.

Wien hatte da allerdings noch ein Wörtchen mitzureden.

🅿️ Wien und Wohnmobile – eine Beziehung mit Abstand

Wien begrüßte uns freundlich, aber mit einer klaren Grundhaltung: „Schön, dass ihr da seid – aber bitte stellt euch irgendwo anders hin.“

Nach ein paar Runden durch die Stadt, die langsam eher nach unfreiwilligem Stadttraining als nach Ankunft wirkten, fanden wir schließlich einen Stellplatz in der Nähe des Zoos.

Einparken lief gut, bezahlen lief digital, Stimmung stieg. Und dann kam dieser seltene Moment auf Reisen: Ruhe.

Kein Verkehr, kein Hupen, kein Chaos. Nur das Wohnmobil und die Ahnung, dass morgen der Tiergarten Schönbrunn Wien auf uns wartet.

🐾 Tiergarten Schönbrunn Wien – Erwartungen hoch, Realität… na ja

Der Weg zum Zoo war kurz, die Erwartungen dagegen eher hoch.

Der Tiergarten Schönbrunn Wien gilt als einer der bekanntesten Zoos Europas und gleichzeitig als der älteste der Welt. Entsprechend läuft man da nicht einfach rein – man hat eher das Gefühl, man müsste jetzt automatisch beeindruckt sein.

Und dann stehen wir plötzlich vor Rentieren. In Wien. Im Mai.

In diesem Moment ist kurz nicht mehr ganz klar, ob wir noch in Österreich sind oder versehentlich in einer sehr gut gemachten Naturkulisse gelandet sind.

🦒 Giraffen, Geduld und sehr lange Beine

Die Babygiraffe ist dann so ein Moment, der hängen bleibt. Nicht spektakulär im klassischen Sinn, eher still beeindruckend. Sie wirkt, als müsste sie ihre eigenen Beine noch verhandeln, während sie gleichzeitig versucht, souverän zu wirken.

Die Mutter daneben strahlt diese typische Gelassenheit aus, die nur Eltern haben, deren Kinder gerade im öffentlichen Raum sehr sichtbar existieren.

🐼 Pandas im Tiergarten Schönbrunn Wien – die Kunst der maximalen Ruhe

Und dann kommen sie endlich. Die Pandas.

Im Tiergarten Schönbrunn Wien sind sie die Stars, und sie wissen es auf die entspannteste Art der Welt zu ignorieren. Sie liegen da, als hätte jemand zwei sehr gemütliche Gedanken in Fellform gegossen.

Keine Bewegung, kein Drama, keine Ambition. Nur Schlaf.

Wir stehen davor und warten automatisch auf irgendetwas – weil man es so gewohnt ist. Aber es passiert… nichts. Und trotzdem bleibt man stehen. Lange. Sehr lange.

🐨 Koalas und die Frage nach Aktivität

Die Koalas setzten das Konzept konsequent fort.

Sie hingen in den Bäumen, als wären sie nicht Teil eines Zoos, sondern Teil der Inneneinrichtung. Irgendwann fragt man sich unweigerlich, ob das noch Tiere sind oder eher ein sehr teures Deko-Konzept mit Wärmeerhaltungsfunktion.

🪼 Quallen – plötzlich wird alles langsam

Im Aquarium kippt die Stimmung dann komplett.

Die Quallen bewegen sich nicht, sie treiben. Alles wird leiser, gleichmäßiger, fast meditativ. Während draußen der Zoo in seinem normalen Tempo weiterläuft, entsteht hier so eine Art Gegenwelt.

🦋 Schmetterlingshaus – kurzer Moment Ruhe

Das Schmetterlingshaus war eine kleine, angenehme Pause im Zooalltag. Drinnen wurde es sofort warm und ruhig, und überall flatterten Schmetterlinge durch die Luft. Für einen Moment vergisst man komplett, dass man eigentlich in einem Zoo steht – und bleibt einfach stehen und schaut zu.

🐾 Erdmännchen – sehr engagiert ohne klaren Auftrag

Die Erdmännchen standen aufrecht, schauten ernst und wirkten, als hätten sie einen sehr wichtigen Job, der nie genau erklärt wurde.

Vielleicht Sicherheit. Vielleicht Kontrolle. Vielleicht einfach nur Beobachtung in Vollzeit.

🦝 Der Rote Panda – ein leiser Abschluss

Der Rote Panda taucht zum Schluss auf und bringt wieder etwas Bewegung in den Tag. Flauschig, wach, aufmerksam – fast so, als hätte er im Gegensatz zu allen anderen noch einen Termin.

Ein perfekter letzter Eindruck, bevor man den Zoo wieder verlässt.

✨ Unser Fazit zur Kurzreise nach Wien

Am Ende möchten wir eines ganz klar sagen: Die Tiere können absolut nichts dafür – im Gegenteil, sie waren durchweg süß, faszinierend und genau das, was man sich erhofft.

Der Eindruck des Tiergarten Schönbrunn Wien war bei uns allerdings gemischt. Der Zoo wirkt an vielen Stellen eher älter, und einige Gehege erschienen uns klein und nicht mehr ganz zeitgemäß gepflegt. Das hat den Gesamteindruck leider etwas getrübt.

Trotzdem: Die Tiere selbst waren durchgehend sehenswert – die Pandas entspannt wie eh und je, die Giraffen niedlich, die Quallen hypnotisch und die kleinen Momente dazwischen oft wirklich schön zu beobachten.

Vielleicht ist es genau diese Mischung, die hängen bleibt: sehr süße Tiere in einer Umgebung, die dringend ein Update vertragen könnte.

Trotzdem war unsere Reise ein schönes Erlebnis. Die Stadt hat ihren ganz eigenen Charme, das Essen war großartig und allein die Tatsache, mit dem Wohnmobil halbwegs stressfrei durch Wien gekommen zu sein, fühlte sich bereits wie ein kleiner Sieg an.

👉 Mehr Reiseberichte findest du hier: Online-Nomaden

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Italien – Abano Therme – November 2022

 

Ende November entschieden wir uns, für ein paar Tage nach Abano Therme zu fahren, um zu entspannen. Wie fast jeden Winter verbringen wir 3 bis 5 Tage in einem Kurhotel mit angenehm warmem Thermalwasser. Neben dem erholsamen Baden nutzen wir die Zeit auch für kleine Ausflüge in die Umgebung.

Jedes Mal, wenn wir in Abano sind, gehört ein Ausflug ins Po-Delta fest dazu. Wir fahren eine Runde durch die weite, stille Landschaft, halten immer wieder an, um Vögel zu beobachten, und lassen den Blick über die einsame Gegend schweifen, die sich zwischen dem Festland und Venedig erstreckt. Diese ruhige, fast zeitlose Umgebung hat für uns einen ganz besonderen Reiz.

An einem Tag fuhren wir mit dem Zug in die Lagunenstadt Venedig. Vom Bahnhof aus schlenderten wir quer über die Insel bis zum Markusplatz. Die engen Gassen wirkten im herbstlichen Licht besonders stimmungsvoll – das weiche, goldene Leuchten der tief stehenden Sonne spiegelte sich im Wasser der Kanäle, während Nebelschwaden die Fassaden in eine fast geheimnisvolle Atmosphäre tauchten. Venedig im Herbst hat einen ganz eigenen Zauber.

Ein weiterer Ausflug führte uns nach Bassano del Grappa. Auch dort waren wir schon öfter, doch der Charme der kleinen Stadt zieht uns immer wieder an. Wie jedes Mal spazierten wir durch die malerische Altstadt mit ihren engen Gassen und schönen Plätzen und überquerten die berühmte Holzbrücke, die sich eindrucksvoll über den Brenta-Fluss spannt. Der Blick von dort auf das herbstliche Panorama ist jedes Mal aufs Neue ein stiller Genuss.

An einem anderen Tag machten wir einen Ausflug durch die Po-Ebene. Auf unserer Fahrt durch die weite, ruhige Landschaft betrachteten wir die ausgedehnten Reisfelder, die auch im Spätherbst ihren ganz eigenen Reiz haben. Bei einem kleinen Produzenten vor Ort hielten wir an und kauften etwas von dem regional angebauten Reis – eine schöne kulinarische Erinnerung an diesen Tag.

Ein weiterer Ausflug führte uns nach Cittadella, eine eindrucksvolle mittelalterliche Stadt, deren vollständig erhaltene Stadtmauer uns sofort in vergangene Zeiten versetzte. Wir spazierten entlang der alten Mauern und genossen den Blick auf die gut erhaltene Altstadt mit ihren Ziegeltürmen und kleinen Gassen.

Unser Fazit:

Diese Tage in Abano waren für uns wieder einmal eine wohltuende Auszeit vom Alltag – ein harmonischer Mix aus Entspannung, Entdeckung und stiller Schönheit. Die Kombination aus warmem Thermalwasser, ruhiger Natur und kulturellen Ausflügen verleiht jedem Besuch eine besondere Tiefe.

Ob beim Wandeln durch nebelverhangene Gassen in Venedig, beim Blick von der Brücke in Bassano oder beim stillen Beobachten der Po-Landschaft – jeder Moment trug dazu bei, innezuhalten und das Schöne im Einfachen zu erkennen. Abano bleibt für uns ein Ort, an dem Körper und Seele gleichermaßen zur Ruhe kommen.

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Wohnmobil Roadtrip Normandie 2022

🧭 Der Plan: Normandie klingt nach Freiheit

Die Wohnmobilreise Normandie stand schon lange auf unserer Wunschliste. Diese Mischung aus rauer Atlantikküste, geschichtsträchtigen Orten wie dem Mont-Saint-Michel und Dörfern, die aussehen, als hätte jemand sie bewusst nicht modernisiert, klang einfach zu gut, um sie länger aufzuschieben.

Im Mai war es dann soweit: Wohnmobil startklar, Kühlschrank halb sinnvoll gefüllt, gute Laune im Gepäck – und los ging es Richtung Frankreich.

Die Idee: Freiheit, Küste, Käse und Landschaft.

Die Realität: erstmal viele Kilometer und das stille Vertrauen, dass Frankreich schon weiß, was es tut.

🚐 Durch Frankreich – langsam, aber mit Stil

Je weiter wir Richtung Westen kamen, desto mehr änderte sich alles. Nicht abrupt, eher so, als würde Frankreich leise die Lautstärke runterdrehen.

Weniger Stress auf den Straßen, mehr Landschaft, mehr Himmel. Irgendwann fährt man nicht mehr „nach irgendwohin“, sondern ist einfach unterwegs.

Und genau da beginnt diese Wohnmobilreise Normandie eigentlich.

🌊 Ankunft an der Atlantikküste – jetzt wird es ernst (für Landschaften zumindest)

In der Gegend um Fécamp erreichten wir schließlich die Küste. Und hier zeigte die Wohnmobilreise Normandie sofort, worum es wirklich geht: um Natur, die keine Kompromisse macht.

Die ersten Eindrücke waren ziemlich eindeutig. Steile Klippen, die abrupt ins Meer fallen. Wellen, die mit einer gewissen Konsequenz gegen die Küste arbeiten. Und ein Wind, der offenbar keinen Unterschied zwischen „Urlaub“ und „Alltag“ macht.

Dazwischen eine Küstenstraße, die sich völlig unbeeindruckt durch die Landschaft schlängelt, als wäre das hier alles ganz normal.

Und vielleicht ist genau das der Punkt: Für Frankreich ist das hier einfach Alltag.

🐚 Frankreich im Vorbeifahren – kleine Szenen, große Wirkung

Und dann diese Momente am Straßenrand, die man nicht planen kann.

Eine Dame unter einem grünen Sonnenschirm verkauft Moules de Bouchot, als wäre das die normalste Sache der Welt (was es wahrscheinlich auch ist). Kein Konzept, kein Marketing – einfach Muscheln und Vertrauen in das Wetter.

Frankreich macht sowas einfach.

🪨 Die Küste der Normandie – rau, hell und sehr präsent

Die normannische Küste lebt von Kontrasten. Helle Kalksteinfelsen treffen auf tiefblaues Wasser, schroffe Formen auf ruhige Weite.

Die Felsen wirken teilweise fast monumental, besonders bei Ebbe, wenn ihre volle Höhe sichtbar wird. Über lange Zeit haben Wind und Wasser hier Strukturen geschaffen, die nicht geplant wirken, aber trotzdem erstaunlich konsequent erscheinen.

Bögen, Kanten, kleine Höhlen – alles wirkt wie ein langsames Experiment der Natur.

Wenn das Licht tiefer steht, verändert sich die ganze Szenerie noch einmal. Dann wird aus rau plötzlich ruhig, aus schroff fast weich.

🧀 Camembert – ein Ort, der seinem Namen nicht entkommt

Irgendwann führte die Route unserer Wohnmobilreise Normandie auch ins Landesinnere. Die Küste blieb zurück, und die Landschaft wurde ruhiger, grüner und ein bisschen unspektakulärer – auf eine angenehme Art.

Dann tauchte Camembert auf. Ein Dorf, das man eigentlich nur wegen seines Namens kennt.

Mehr passiert dort nicht unbedingt. Aber genau das reicht. Man fährt hin, schaut sich um, verbindet einen bekannten Namen endlich mit einem echten Ort und fährt weiter.

🌸 Blumen am Wegesrand – völlig unterschätzt, ehrlich gesagt

Zwischen all diesen großen Landschaften waren es oft die kleinen Dinge, die hängen geblieben sind.

Am Straßenrand tauchten immer wieder Blumen auf – Rosen in sehr motivierten Farben, hohe Lilien, Margeriten und diese kugeligen Alliumblüten, die aussehen, als würden sie sich selbst feiern.

Nichts davon ist spektakulär geplant. Aber genau das macht es gut. Sie standen einfach da, als hätten sie sich entschieden, den Tag ein bisschen besser zu machen.

🧈 Isigny-sur-Mer – Butter als ernsthafte Entscheidung

Später ging es nach Isigny-sur-Mer, einem Ort, der kulinarisch deutlich mehr Eindruck macht als architektonisch.

Hier wurde dann auch eine dieser typischen Reiseentscheidungen getroffen: gesalzene Butter kaufen. Nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Überzeugung.

Es sind diese kleinen Dinge, die eine Reise später irgendwie „echter“ wirken lassen.

🌧️ Wetter entscheidet mit (wie immer in Frankreich)

Dann wurde das Wetter… sagen wir: eigenständig.

Regen, grauer Himmel, wenig Motivation für „noch schnell Aussichtspunkt Nummer 12“.

Also kurzer Reality-Check im Wohnmobil: Bleiben oder weiterziehen? 

Antwort: weiterziehen.

🌄 Provence – ein vorsichtiger Einstieg in den Süden

Die Fahrt quer durch Frankreich war lang, aber abwechslungsreich. Irgendwann tauchten die ersten Hügel der Provence auf, und die Landschaft veränderte sich erneut.

Alles wurde heller, wärmer, offener. Gleichzeitig wirkte es noch etwas zurückhaltend – als würde die Region sich erst sortieren.

Der Lavendel war jedenfalls noch nicht bereit. Statt violetter Felder gab es grüne Landschaften, ruhig und unaufgeregt.

🌺 Mohnblumen – wenn Farbe plötzlich reicht

Dafür überraschten uns Mohnblumenfelder entlang der Straßen. Intensives Rot, das sich deutlich von der restlichen Landschaft absetzte.

Keine große Inszenierung, kein Highlight im klassischen Sinn – aber genau dadurch sehr wirkungsvoll.

❄️ Und dann wieder Winter – weil Frankreich das kann

Auf dem Rückweg über die Pässe passierte dann das Gegenteil von Provence.

Schnee. Viel Schnee. Meterhoch am Straßenrand.

Innerhalb weniger Stunden von „Südfrankreich-Vibes“ zu „Februar hat angerufen“.

Frankreich ist in dieser Hinsicht sehr konsequent: Es bietet einfach alles.

🌿 Fazit – viel Landschaft, viel Wetter, viel Frankreich

Nach knapp zwei Wochen endete unsere Wohnmobilreise Normandie als genau das, was sie sein sollte: unperfekt, abwechslungsreich und ziemlich vollgepackt mit Eindrücken.

Die Normandie bleibt vor allem wegen ihrer Küste im Kopf – rau, ehrlich und manchmal etwas unfreundlich, aber genau deshalb spannend.

Dazu kleine Dörfer, Blumen am Straßenrand, Wetter mit wechselnder Stimmung und diese Mischung aus Ruhe und „mal schauen, was passiert“.

Die Provence kam noch nicht ganz in Bestform, und der Winter am Ende hat sich eher eingeschlichen als angekündigt.

Aber genau das macht die Reise aus: nichts läuft exakt wie geplant – und genau deshalb bleibt sie hängen.

Frankreich hat geliefert. Nur eben nicht immer das, was man vorher erwartet hat.

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Provence zur Lavendelblüte 2022

🌿 Diesmal sollte es endlich klappen

Vor einigen Jahren hatten wir das Glück, die Lavendelblüte Provence in ihrer ganzen Pracht zu erleben. Seitdem versuchten wir immer wieder, genau diesen Moment noch einmal zu erwischen.

Das Problem: Der Lavendel hielt sich nie an unsere Urlaubsplanung.

Mal waren wir zu früh unterwegs und die Felder noch grün. Mal waren wir zu spät und die Ernte bereits durch. Selbst im Mai dieses Jahres standen wir wieder vor jeder Menge Grün – nur eben nicht vor dem erhofften Violett.

Also fassten wir einen neuen Plan: Anfang Juli zurück in die Provence. Diesmal sollte es endlich klappen.

🚐 Über die Schweiz Richtung Süden

Für die Anreise entschieden wir uns für die Route durch die Schweiz. Die Berge wurden höher, die Temperaturen angenehmer und das Urlaubsgefühl stellte sich langsam ein.

Unsere erste Nacht verbrachten wir am Lac de Nantua in Frankreich. Direkt am See fanden wir einen ruhigen Stellplatz für das Wohnmobil.

Kein großes Programm, keine Sehenswürdigkeiten, einfach nur ankommen und durchatmen. Manchmal sind genau diese unspektakulären Abende die besten.

🌻 Gelbe Felder als Vorgeschmack

Auf der Weiterfahrt fiel uns auf, dass die Landschaft plötzlich immer gelber wurde.

Kilometerweit erstreckten sich Sonnenblumenfelder entlang der Straßen. Die riesigen Blütenköpfe waren alle in dieselbe Richtung gedreht, als würden sie gemeinsam versuchen, die Sonne nicht aus den Augen zu verlieren.

Eigentlich waren wir wegen des Lavendels unterwegs. Aber diese gelben Felder machten die Wartezeit deutlich angenehmer.

💜 Endlich wieder Lavendelblüte in der Provence

Und dann war er plötzlich da.

Der erste Lavendel.

Erst nur ein kleines Feld am Straßenrand. Wenige Kilometer später zwei weitere. Und irgendwann hatte man das Gefühl, die komplette Landschaft wäre in Violett getaucht.

Genau deshalb waren wir gekommen.

Die Lavendelblüte Provence zeigte sich von ihrer besten Seite. Endlose Reihen zogen sich über die Hügel, der Duft lag in der Luft und selbst das Fotografieren wurde langsam zur Herausforderung, weil hinter jeder Kurve schon das nächste Motiv wartete.

Besonders schön fanden wir die einzelnen Häuser mitten zwischen den Feldern. Umgeben von Lavendel wirkten sie fast so, als hätten ihre Bewohner vor Jahren beschlossen, den Rest der Welt einfach zu ignorieren.

🍯 Die Provence schmeckt nach Lavendel

In der Provence kommt man am Lavendel nicht vorbei.

Wirklich nicht.

Er wächst auf den Feldern, steht in den Vorgärten, hängt in den Läden und landet am Ende sogar auf dem Teller.

Überall wurden Lavendelhonig, Lavendelgebäck, Lavendeleis und unzählige andere Spezialitäten angeboten.

Irgendwann hatten wir das Gefühl, dass man hier vermutlich sogar eine Lavendelpizza finden könnte, wenn man nur lange genug sucht.

🧪 Unser eigenes Provence-Souvenir

Zwischen all den Hofläden und Marktständen entstand eine Idee.

Warum nicht selbst etwas aus Lavendel machen?

Also sammelten wir einige frische Lavendelstiele und setzten einen Lavendelessig an. Die Blüten kamen in Weißweinessig und sollten dort ihr Aroma entfalten.

Eine schöne Erinnerung an die Reise – und deutlich leichter zu transportieren als ein halbes Lavendelfeld.

👉 Wenn du wissen willst, wie wir ihn gemacht haben:
Lavendelessig – Anleitung & Rezept findest du hier

🏭 Wo aus Lavendel Öl wird

Am Straßenrand entdeckten wir eine kleine Lavendel-Destillerie.

Natürlich mussten wir anhalten.

Schon auf dem Parkplatz lag dieser typische Duft in der Luft. Im Laden daneben gab es alles, was sich irgendwie aus Lavendel herstellen lässt: Seifen, Parfüm, Kerzen, Honig und vermutlich noch einiges mehr, das wir übersehen haben.

Solche kleinen Betriebe machen den besonderen Charme der Provence aus. Kein Hochglanz-Tourismus, sondern echte Handarbeit.

🚜 Zwischen Handarbeit und Traktor

An einem Feld beobachteten wir eine Familie, die bereits geernteten Lavendel zum Trocknen ausgebreitet hatte.

Große Planen voller duftender Pflanzen lagen in der Sonne und zeigten, wie viel Arbeit hinter der Lavendelernte steckt.

Wenige Kilometer weiter sah die Sache ganz anders aus.

Dort war ein Bauer mit seinem Traktor unterwegs und erntete eine jüngere Lavendelpflanzung maschinell.

Innerhalb weniger Minuten wurde klar: Auch die Lavendelproduktion ist längst irgendwo zwischen Tradition und Moderne angekommen.

🦋 Kleine Besucher zwischen den Blüten

Zwischen all dem Violett fiel noch etwas anderes auf.

Überall flatterten Schmetterlinge durch die Felder.

Während wir versuchten, schöne Fotos zu machen, schienen die Schmetterlinge ihre eigene Mission zu verfolgen und ständig genau dort zu landen, wo man gerade hinschaute.

Die Lavendelfelder waren nicht nur für Touristen attraktiv.

Offensichtlich wussten auch die Insekten sehr genau, wo es schön ist.

🧺 Markttag in der Provence

In einer kleinen Stadt machten wir Mittagspause.

Wie der Zufall es wollte, war gerade Markttag.

Zwischen den Ständen herrschte reges Treiben, überall wurde gehandelt, probiert und diskutiert.

Besonders interessant fanden wir einen Korbflechter, der mit erstaunlicher Geduld Körbe aus Weidenruten herstellte.

Während wir schon beim Zuschauen das Gefühl hatten, zwei linke Hände zu besitzen, arbeitete er völlig entspannt weiter.

Es sah einfach aus.

War es vermutlich nicht.

🏛️ Die berühmte Abbaye de Sénanque

Am späten Nachmittag erreichten wir die Abbaye de Sénanque.

Wenn man Bilder von der Lavendelblüte Provence sieht, dann stammt gefühlt jedes zweite von genau diesem Ort.

Die alte Abtei liegt mitten in einem Tal und wird im Sommer von Lavendelfeldern eingerahmt. Entsprechend groß war der Besucherandrang.

Wir beschlossen trotzdem zu bleiben und die Nacht auf dem Parkplatz zu verbringen. Die Hoffnung auf einen ruhigen Abend war allerdings etwas optimistisch.

Bis weit nach Sonnenuntergang kamen immer wieder Autos, Fotografen und Besucher vorbei. Offenbar wollten alle denselben Sonnenuntergang fotografieren.

🐎 Unerwartetes Fotoshooting im Morgengrauen

Noch vor Sonnenaufgang wurden wir plötzlich wach.

Nicht wegen eines Hahns. Nicht wegen eines Weckers.

Sondern wegen einer kleinen Filmproduktion.

Mehrere Fahrzeuge rollten auf den Parkplatz, darunter ein Pferdeanhänger. Kurz darauf wurde ein schneeweißes Pferd ausgeladen und eine junge Reiterin geschniegelt, geschniegelt und nochmals geschniegelt.

Dann begann das Shooting.

Fotografen, Kameraleute, Drohne – alles war dabei.

Immer wieder ritt die Reiterin durch die Lavendelfelder vor der Abtei, während das Team die perfekte Aufnahme suchte.

Unser Frühstück entwickelte sich dadurch ungeplant zu einem Logenplatz für die Produktion eines vermutlich sehr teuren Werbefilms.

🎉 Lavendelfest in Apt

Der nächste Höhepunkt wartete in Apt.

Wir hatten die Reise perfekt getimt, denn genau an diesem Wochenende fanden die traditionellen Lavendeltage statt.

Die ganze Stadt stand im Zeichen des Lavendels.

Zwischen den Ständen zog sich der Duft durch die Gassen und überall wurden regionale Spezialitäten angeboten.

Natürlich mussten wir probieren.

Lavendeleis.

Lavendelbaguette.

Lavendel-Madeleines.

Lavendelbaiser.

Irgendwann waren wir uns nicht mehr sicher, ob wir auf einem Fest oder in einem groß angelegten Lavendel-Selbstversuch gelandet waren.

Lecker war es trotzdem.

💜 Lavendel in allen Variationen

Auf dem Fest wurde schnell klar, dass Lavendel hier weit mehr ist als eine Pflanze.

Er steckt praktisch überall drin.

In Duftbeuteln, Seifen, Ölen, Honig, Kerzen und unzähligen anderen Produkten.

Besonders die kleinen Lavendelsäckchen waren überall zu finden. Hübsch anzusehen, angenehm duftend und deutlich praktischer als ein ganzer Lavendelstrauß im Kleiderschrank.

🌾 Vom Feld in den Büdel

An vielen Ständen wurden auch die traditionellen Lavendelbüschel angeboten.

Die Stängel werden dabei zu kleinen Bündeln zusammengebunden und anschließend getrocknet.

Einfach, dekorativ und typisch Provence.

Und ehrlich gesagt sieht ein selbstgebundener Lavendelbüdel auch deutlich authentischer aus als manches Souvenir aus dem Touristenladen.

🏡 Durch Dörfer wie aus einer anderen Zeit

Nach dem Trubel in Apt zog es uns wieder hinaus aufs Land.

Die Route führte durch kleine Bergdörfer mit engen Gassen, Natursteinhäusern und bunten Fensterläden.

Viele Orte wirkten, als wäre die Zeit dort vor einigen Jahrzehnten einfach stehen geblieben.

Immer wieder öffneten sich zwischen den Häusern weite Ausblicke über Lavendelfelder und Hügellandschaften.

Genau diese Mischung aus Natur, Ruhe und Ursprünglichkeit macht die Provence so besonders.

🏭 So entsteht Lavendelöl

Unterwegs entdeckten wir eine Lavendeldestillerie in vollem Betrieb.

Hier wurde frisch geernteter Lavendel in großen Containern angeliefert und direkt verarbeitet.

Der Duft war schon von weitem wahrnehmbar.

Mit Hilfe von Wasserdampf wurden die ätherischen Öle aus den Blüten gelöst und anschließend aufgefangen.

Spannend zu beobachten – und gleichzeitig beeindruckend, wie viel Arbeit hinter einem kleinen Fläschchen Lavendelöl steckt.

🌿 Was nach der Ernte übrig bleibt

Neben den Destillerien lagen teilweise riesige Berge aus Lavendelresten.

Meterhoch stapelten sich die Pflanzenreste nach der Ölgewinnung.

Erst dort wurde sichtbar, welche Mengen Lavendel in der Provence jedes Jahr verarbeitet werden.

Auch wenn die Haufen nicht mehr ganz so intensiv dufteten wie die Felder, waren sie trotzdem beeindruckend..

⛰️ Zwischen Lavendelfeldern und Seealpen

Die Provence besteht nicht nur aus Lavendel.

Je weiter wir unterwegs waren, desto häufiger wechselten sich violette Felder mit wilden Berglandschaften ab.

Schroffe Felsen, enge Schluchten und kurvenreiche Straßen sorgten immer wieder für völlig neue Eindrücke.

Genau dieser Kontrast macht die Region so spannend.

🌅 Stellplatz mit Blick auf Nizza

Für eine Nacht fanden wir einen Stellplatz hoch oben in den Bergen.

Von dort hatten wir einen fantastischen Blick auf Nizza.

Langsam gingen die Lichter der Stadt an, während die Sonne hinter den Bergen verschwand.

Dazu ein leichter Wind und absolute Ruhe.

Mehr braucht es manchmal nicht für einen perfekten Abend.

Ganz in der Nähe lag die Madone d’Utelle, ein abgelegener Wallfahrtsort hoch über dem Tal.

Ein beeindruckender Ort, der perfekt zu dieser Landschaft passte.

🚐 Die Aussicht gab es nicht umsonst

Der Weg zu unserem Schlafplatz war allerdings nichts für schwache Nerven.

Enge Serpentinen, steile Abgründe und Straßen, bei denen man Gegenverkehr lieber nicht begegnen möchte.

Runter ging es am nächsten Morgen übrigens auch nicht entspannter.

Auf der Suche nach frischen Croissants hielten wir später noch in einem kleinen Dorf.

Der Plan war gut.

Die Umsetzung weniger.

Wir fanden weder Bäcker noch Croissants.

Nur geschlossene Fensterläden und jede Menge Ruhe.

❄️ Über die Alpen zurück nach Hause

Langsam wurde es Zeit für die Heimreise.

Über mehrere Pässe führte uns der Weg zurück Richtung Heimat.

Dabei wartete noch eine kleine Überraschung auf uns.

Während wir wenige Tage zuvor bei über 30 Grad zwischen Lavendelfeldern unterwegs gewesen waren, lag in den höheren Regionen stellenweise noch Schnee.

Ein ziemlich verrückter Kontrast.

Innerhalb weniger Stunden wechselten wir von Hochsommer zu Schneeresten am Straßenrand.

💜 Unser Fazit zur Lavendelblüte in der Provence

Die Reise zur Lavendelblüte Provence hat sich absolut gelohnt.

Diesmal hatten wir endlich den richtigen Zeitpunkt erwischt.

Endlose Lavendelfelder, kleine Bergdörfer, traditionelle Märkte, spannende Einblicke in die Lavendelernte und unzählige regionale Spezialitäten machten die Reise zu einem echten Erlebnis.

Dazu kamen besondere Momente wie die Abbaye de Sénanque, das unerwartete Pferde-Shooting im Morgengrauen oder unser Stellplatz mit Blick auf Nizza.

Und ja – wir haben unterwegs wahrscheinlich mehr Lavendel gesehen, gerochen und gegessen als jemals zuvor.

Aber genau deshalb werden wir uns an diese Reise noch lange erinnern. 💜🚐🇫🇷

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Italien – Südtirol – Juni 2023

 

Wanderwochenende vom 26. bis zum 28. Juni in Südtirol 

Nach unserem großen Roadtrip durch die USA war die Rückkehr in den Alltag nicht ganz leicht. Alles fühlte sich plötzlich eng an – der Kopf war voll mit Eindrücken, aber der Bewegungsdrang blieb. Es war klar: Wir brauchen eine kleine Auszeit. Kein Langstreckenflug, keine komplizierte Planung – einfach mal kurz raus. Und was bietet sich da besser an als Südtirol?

Unser Ziel war Plaus, ein kleiner Ort zwischen Meran und dem Vinschgau. Wer auf großes Sightseeing-Programm hofft, ist hier vielleicht falsch. Aber genau das wollten wir: Ruhe, Natur, gutes Essen – und Wanderschuhe statt Stadtplan. Plaus ist wunderbar unaufgeregt. Apfelbäume soweit das Auge reicht, Berge im Hintergrund und eine entspannte Stimmung, die sich sofort überträgt.

Übernachtet haben wir im Hotel Stefanshof. Es ist ein bodenständiges, sehr gepflegtes Hotel mit ausgesprochen netten Gastgebern. Kein übertriebenes Wellnessangebot, aber alles da, was man braucht. Unser Zimmer war gemütlich und hatte einen Balkon mit herrlichem Blick in die Berge – morgens mit Sonne, abends mit frischer Bergluft. Das Frühstück war reichhaltig und lecker, mit frischen Brötchen, Eiern und Obst. Abends gab es ein Menü, das liebevoll zubereitet war – regional, ehrlich und richtig gut. Kein kulinarisches Feuerwerk, aber genau das, was man nach einem Wandertag will: gutes, echtes Essen.

Auf dem Hinweg legten wir noch einen kurzen Zwischenstopp am Reschensee ein. Der Kirchturm, der einsam aus dem See ragt, ist zwar ein bekanntes Fotomotiv, aber in der Realität wirkt er nochmal ganz anders. Der Wind weht über das Wasser, es ist ruhig und ein bisschen gespenstisch. Man kann sich kaum vorstellen, dass unter der Wasseroberfläche ein ganzes Dorf liegt. Ein Ort mit Geschichte, der uns länger beschäftigt hat als erwartet.

 

Unser Hotel, der Stefanshof in Plaus, war der ideale Ausgangspunkt für unser Wanderwochenende.  

Nur wenige Schritte vom Hotel entfernt liegt die Pfarrkirche von Plaus, deren Friedhofsmauer ein besonderes Kunstwerk ziert: der Totentanz. Das eindrucksvolle Wandgemälde aus dem 18. Jahrhundert besteht aus mehreren Bildfeldern, die den Tod in Gestalt eines Skeletts darstellen, wie er Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Schichten – vom Papst über den König bis hin zum Bauern und Kind – zum Tanz holt. Jede Szene ist mit kurzen, gereimten Texten versehen, die die Vergänglichkeit des Lebens und die Unausweichlichkeit des Todes thematisieren.

Die Abbildungen sind nicht nur künstlerisch bemerkenswert, sondern auch kulturell bedeutsam: Sie spiegeln eine mittelalterliche Tradition wider, mit der die Menschen an die Endlichkeit ihres Daseins erinnert wurden – und an die Gleichheit aller im Angesicht des Todes.

Am ersten Wandertag wollten wir es gemütlich angehen lassen und entschieden uns für den Rablander Waalweg. Der Plan: ein entspannter Einstieg, flach, entlang eines historischen Wasserkanals. Die Realität: Wir verpassten den Einstieg, verirrten uns ein wenig und fanden uns plötzlich auf einem steileren Pfad mit ungeplanter Extra-Strecke wieder. Nicht ganz wie gedacht, aber trotzdem schön. Die Natur war herrlich, die Ausblicke auf die Apfelplantagen und Berge spektakulär, und irgendwann fanden wir dann auch den eigentlichen Waalweg, der seinem Ruf als angenehme Wanderstrecke alle Ehre machte.

 

Der kleine Waalweg war angenehm zu laufen, da er größtenteils im Schatten verlief und das Wasser beruhigend neben uns dahinplätscherte. Die frische Luft und das leise Rauschen des Kanals machten die Anstrengung des Aufstiegs schnell vergessen. Leider war der Weg nicht besonders lang – und so war unsere erste Wanderung auch schon bald wieder zu Ende. Ein schöner, wenn auch kurzer Einstieg in unser Wanderwochenende.

Am nächsten Tag nahmen wir uns eine größere Wanderung vor. Unser Ziel war eine gemütliche Waalwanderung mit möglichst wenig Steigung – genau das versprach die Morter Waalrunde. Laut unserem etwas betagten Wanderführer sollte die Runde etwa 8 Kilometer lang und weitgehend eben verlaufen. Doch unterwegs merkten wir schnell, dass die Angaben nicht mehr ganz mit der Realität übereinstimmten: Wegeführungen hatten sich geändert, Strecken verlängert und auch das Höhenprofil war anspruchsvoller als erwartet.

Wenn wir das nächste Mal zum Wandern fahren, werden wir uns vorher einen aktuellen Wanderführer besorgen – soviel steht fest. Aus veralteten Informationen haben wir gelernt, dass Streckenführung, Beschilderung oder Wegbeschaffenheit sich schnell ändern können.

Für unseren nächsten Aufenthalt in Südtirol haben wir auch schon einen neuen Plan:

Vielleicht wandern wir dann den Marlinger Waalweg.

Er gilt als der längste seiner Art in Südtirol und führt über rund 12 Kilometer mit wunderbarem Ausblick über das Etschtal – eine schöne Kombination aus Naturerlebnis und entspannter Bewegung.

Unser Fazit:

Unser Wochenende in Plaus war genau die richtige Mischung aus Bewegung, Genuss und Entschleunigung. Zwischen Apfelplantagen, Bergpanorama und dem beruhigenden Plätschern der Waalwege konnten wir den Alltag schnell hinter uns lassen. Auch kleine Pannen wie ein verpasster Einstieg oder veraltete Wanderkarten taten dem Erlebnis keinen Abbruch – im Gegenteil: Sie sorgten für unerwartete Abzweigungen und neue Perspektiven.

Südtirol hat uns einmal mehr bewiesen, dass es nicht immer die große Fernreise braucht, um Erholung zu finden. Freundliche Gastgeber, ehrliche Küche und eine Natur, die zu jeder Jahreszeit beeindruckt, machen Lust auf mehr. Der Marlinger Waalweg steht für den nächsten Besuch schon fest auf unserer Liste – und diesmal starten wir garantiert am richtigen Punkt.

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Spanien – März 2023

Nachdem wir unsere Spanien-Rundreise im letzten Jahr gleich zweimal abbrechen mussten, sollte es diesmal endlich klappen. Für 2023 war der dritte Anlauf geplant – mit viel Hoffnung, aber leider auch erneut mit Hindernissen.

Eigentlich war die Abfahrt für den 23. Februar vorgesehen. Doch auch dieser Reisebeginn stand unter keinem guten Stern. Statt auf spanischen Straßen unterwegs zu sein, lagen wir am 26. Februar immer noch zu Hause – niedergestreckt von einer heftigen Grippe. Das Wohnmobil stand seit Tagen startklar in der Einfahrt, die Koffer waren gepackt, aber wir mussten geduldig warten.

Und als wäre das nicht genug, kündigte der Wetterbericht auch noch Schneefall an – und zwar in der Schweiz, in Frankreich und den Pyrenäen. Also verschoben wir die Abfahrt erneut. Die Hoffnung: Anfang der Woche sollten die Temperaturen wieder steigen.

Am Montag, dem 27. Februar 2023, war es dann endlich so weit: Der dritte Versuch startete.

27. Februar 

Mit etwas Verzögerung, aber immerhin wie geplant, ging es am Montag endlich los. Die Fahrt durch die Schweiz auf der Autobahn war – wie so oft – eher eintönig. Umso größer war die Erleichterung, als wir am Abend unseren ersten Übernachtungsplatz in Frankreich erreichten.

Wir haben schon öfter am Lac de Nantua übernachtet – ein vertrauter und zugleich wunderschön gelegener Platz, der nicht weit hinter der französischen Grenze liegt. Der offizielle Stellplatz liegt direkt am See und ist angenehm ruhig, auch wenn die Bahngleise in unmittelbarer Nähe verlaufen.

Einziger Wermutstropfen: Die Zufahrt ist ausschließlich über die Autobahn möglich, was für ein paar Kilometer Mautgebühren von 15 Euro bedeutet. Für künftige Reisen nach Spanien oder Frankreich haben wir uns deshalb vorgenommen, direkt bis nach Le Puy-en-Velay weiterzufahren und dort zu übernachten.

28. Februar

Die Nacht am Lac de Nantua war eisig kalt – ohne Heizung ging nichts. Am Morgen setzten wir unsere Reise über Landstraßen fort, vorbei an Valence und weiter in Richtung Montélimar.

Dort legten wir eine Mittagspause im „Nam Hai“, einem China-Restaurant, ein. Leider kein kulinarischer Volltreffer: Die Auswahl war eher dürftig, der Geschmack wenig überzeugend, und der Preis lag über dem, was wir sonst von vergleichbaren Lokalen gewohnt sind. Eine Empfehlung können wir dafür nicht aussprechen.

Nach dem Essen ging es weiter nach Montpellier. Dort sorgte eine Umleitung für Verwirrung – unser Navi lotste uns direkt auf einen völlig zugeparkten Parkplatz. Kein idealer Tagesabschluss, aber immerhin waren wir weiter südlich und der Frühling rückte näher.

Mit viel Geduld, Rangieren und einigen engen Manövern konnten wir dem zugeparkten Chaos in Montpellier entkommen und unsere Fahrt endlich fortsetzen. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir das Meer bei Bouzigues.

Am Straßenrand stapelten sich Körbe, randvoll mit Austernschalen – ein ungewöhnlicher Anblick. Ein kurzer Blick bei Google verriet uns: Bouzigues und die angrenzende Bucht sind bekannt für ihre Austernzucht. Die schleimigen Delikatessen sollen hier besonders hochwertig sein und sogar einen leichten Haselnussgeschmack haben. Ob das stimmt? Keine Ahnung – Austern gehören definitiv nicht zu unserer kulinarischen Komfortzone, also blieb es bei der Theorie.

Für die Nacht fanden wir einen ruhigen Stellplatz mit direktem Blick aufs Meer. Einige andere Wohnmobile hatten sich hier bereits eingefunden – ein entspannter Ausklang für einen Tag voller Kurven, Umleitungen und unerwarteter Entdeckungen.

 

1. März 

Am nächsten Morgen setzten wir unsere Reise in Richtung Perpignan fort. Von dort war es nur noch ein Katzensprung bis zur spanischen Grenze – das lang ersehnte Etappenziel rückte endlich näher.

Kaum hatten wir die Grenze überquert, steuerten wir die nächste Tankstelle an. Und siehe da: Der Liter Diesel war hier ganze 15 Cent günstiger als in Frankreich – und dort wiederum schon deutlich preiswerter als in Deutschland. Ein kleiner, aber willkommener Reisebonus zum Start in Spanien.

Unser erstes Ziel in Spanien war das charmante Städtchen Besalú. Nach einem kleinen Spaziergang durch die historische Altstadt, mit ihren engen Gassen und mittelalterlichem Flair, zog es uns zur bekannten römischen Brücke – einem echten Postkartenmotiv.

Direkt daneben entdeckten wir das Restaurant Ca La Nídia. Für nur 12 Euro pro Person gab es dort ein leckeres Drei-Gänge-Menü, inklusive Wasser – ein echtes Schnäppchen und ein köstlicher Einstieg in den spanischen Teil unserer Reise.

 

Nach unserem Zwischenstopp in Besalú ging die Fahrt weiter über Olot bis zum Monastir de Montserrat. Eigentlich hatten wir geplant, mit der Zahnradbahn hinauf zum Kloster zu fahren – die Fahrt kostet 13,50 Euro pro Person. Leider kamen wir zu spät an: Der letzte Zug war bereits abgefahren.

Also setzten wir unsere Fahrt fort, diesmal auf der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Auch wenn der Besuch des Klosters an diesem Tag nicht klappte, wurden wir dennoch belohnt: Das Gebirgsmassiv von Montserrat präsentierte sich im Licht des Abendrots von seiner eindrucksvollsten Seite – ein unvergesslicher Anblick.

2. März

Nach einer sehr kühlen Nacht starteten wir den neuen Tag bei gerade einmal 2 Grad. Das war uns dann doch zu frisch – also beschlossen wir spontan, möglichst schnell weiter Richtung Süden zu fahren.

Als neues Ziel gaben wir Deltebre ins Navi ein. Schon lange wollten wir das Ebro-Delta erkunden, und jetzt war es endlich so weit. Die Vorfreude auf die besondere Landschaft mit ihren weiten Ebenen, Reisfeldern und Wasservögeln wuchs mit jedem Kilometer.

Der Reiseführer hatte uns Flamingos und eine große Vielfalt an Vogelarten versprochen – doch offenbar hatten die Tiere das Buch nicht gelesen. Denn trotz ausgiebiger Fahrt über die gesamte Halbinsel bis hinunter zur Spitze nach Riumar bekamen wir keinen einzigen Vogel zu Gesicht.

Statt unberührter Natur begegneten uns vor allem endlose Ferienhaussiedlungen und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Ein wenig enttäuscht suchten wir uns in Deltebre ein Restaurant zum Mittagessen – und wurden dort positiv überrascht: In einem modernen Bistro gab es einen feinen Salat mit gebratenen Birnen, als Hauptgericht frittierte Fische, und zum Nachtisch gönnten wir uns Erdbeeren auf Sahne.

Gut gestärkt setzten wir unsere Reise Richtung Süden fort – dem wärmeren Wetter entgegen. Für die Nacht fanden wir schließlich einen ruhigen Stellplatz in der Nähe von Nules.

3. März

Am nächsten Morgen setzten wir unsere Fahrt fort – das Ziel: Elx. Um dem Stadtverkehr von Valencia zu entgehen, planten wir einen weiten Bogen um die Stadt herum. Die Route führte uns durch ländlichere Gegenden, was nicht nur entspannter zu fahren war, sondern auch landschaftlich reizvoll.

 

Auf dem Weg nach Elx legten wir einen Zwischenstopp bei El Pou Clar ein – einem versteckten Naturjuwel in der Nähe von Ontinyent. Die schillernden, türkisblauen Teiche und kleinen Wasserfälle erinnerten uns ein wenig an die Plitvicer Seen – wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab.

Ein kurzer Spaziergang entlang der Felsen und Wasserbecken tat gut und war genau das Richtige, um sich zwischendurch die Beine zu vertreten und ein bisschen Natur zu genießen.

 

 

Zum Mittagessen machten wir Halt in Pinoso und kehrten dort im Restaurant La Torre ein – ein charmantes Lokal mit regem Betrieb, was meist ein gutes Zeichen ist. Als Vorspeise entschieden wir uns für Gazpacho Andaluz – erfrischend, würzig und genau das Richtige für einen warmen Tag.

Der Hauptgang war zwar optisch nicht ganz gelungen – ein kleiner Ausrutscher auf dem Teller –, geschmacklich konnte er aber trotzdem überzeugen. Insgesamt ein angenehmer Zwischenstopp mit solider Küche und lebendiger Atmosphäre.

 

Unsere Fahrt ging weiter – diesmal mit einem besonderen Ziel vor Augen: blühende Mandelbäume. Laut Reiseführer und Onlinequellen soll es rund um Murcia riesige Mandelplantagen geben, die zur Blütezeit ein beeindruckendes Bild bieten.

Voller Vorfreude hielten wir unterwegs immer wieder Ausschau – doch die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten: Offenbar waren wir zu spät dran. Statt weiß-rosa Blütenmeer fanden wir nur noch vereinzelte Blüten an kahlen Ästen. Die Mandelblüte hatte ihren Höhepunkt bereits überschritten.

Trotzdem war es schön, durch die hügelige Landschaft zu fahren – auch ohne das erhoffte Blütenspektakel.

Auf dem Weg nach Bullas machte unser Navi mal wieder, was es wollte – und schickte uns über eine schmale Bergstraße in endlosen Serpentinen in die Höhe. Auch wenn wir zunächst etwas fluchten, wurden wir am Ende doch belohnt: In der abgelegenen Höhenlage entdeckten wir endlich einige blühende Mandelbäume – ein versöhnlicher Abschluss unserer Suche.

Wir übernachteten in einem kleinen, ruhigen Ort in der Region.

4. März

Am nächsten Morgen starteten wir bei frostigen 0 Grad in den Tag – frischer als erhofft, aber mit dem guten Gefühl, doch noch ein kleines Naturhighlight erwischt zu haben. Unser nächstes Ziel waren die Cuevas del Almanzora, die berühmten Höhlenwohnungen in der gleichnamigen Stadt. Nach einer kleinen Irrfahrt durch den Ort – das Navi hatte wohl wieder seine ganz eigene Vorstellung vom kürzesten Weg – fanden wir schließlich den richtigen Pfad und steuerten die Höhlenanlagen etwas außerhalb an.

Die in den Fels gehauenen Behausungen geben einen spannenden Einblick in eine frühere Lebensweise und sind beeindruckende Zeugnisse traditioneller Baukunst. Ein kurzer, aber lohnenswerter Abstecher in die Vergangenheit.

Übers Wochenende führte uns die Reise weiter nach Tabernas, Spaniens „Wilder Westen“. Die karge, trockene Landschaft rund um den Ort diente als Kulisse für zahlreiche berühmte Western – darunter Klassiker wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Zwei glorreiche Halunken“. Noch heute lassen sich einige der originalen Filmkulissen besichtigen – ein spannender Ort für Filmfans und Freunde nostalgischer Westernstimmung.
Leider hielt das Wetter nicht, was der Wetterbericht versprochen hatte: Statt Sonne und 20 Grad begrüßten uns graue Wolken und kühle Temperaturen. Kulinarisch war der Tag auch kein Volltreffer – es gab kein Mittagsmenü.

Auch rund um Tabernas bewies unser Navi seinen eigenen Willen: Statt der geplanten Route schickte es uns auf eine weite Schleife über enge Bergstraßen mit zahllosen Serpentinen. Die Strecke führte so hoch hinauf, dass wir unterwegs sogar Schneereste am Straßenrand entdeckten – kaum zu glauben in dieser Region!
Entlang der Straße reihten sich riesige Gewächshäuser aneinander, und wenig später lag ein totes Wildschwein am Straßenrand – ein eher drastischer Anblick. Noch überraschender wurde es kurz darauf, als drei Steinböcke direkt vor unserem Fahrzeug die Straße überquerten – ein atemberaubender Moment, leider viel zu schnell für ein Foto.
Nach rund 150 Kilometern Umweg erreichten wir schließlich Abla, wo wir die Nacht auf einem einfachen, aber ruhigen Stellplatz beim Fußballplatz verbrachten.

5. März

Am Morgen, bei der Abfahrt, sahen wir einen Wegweiser nach Tabernas mit der Angabe „nur 45 Kilometer“ bis zu den Westernstädten. Also fuhren wir diesmal direkt dorthin und besichtigten die Filmkulissen Fort Bravo und Mini-Hollywood von außen.

Weiter ging es über La Alpujarra nach Trevélez, bekannt als Schinkenhochburg – hier reiht sich Schinkenladen an Schinkenladen, und überall stehen Schweine-Statuen als stolze Maskottchen. In den Straßen herrschte reger Betrieb, ganze Busladungen von Touristen erkundeten das kleine Bergdorf.
Wir schlossen uns spontan einer Gruppe an, die eine Führung durch einen Laden machte, und wurden inoffizielle Gruppenmitglieder – inklusive eines köstlichen Probierstücks Schinken. Natürlich konnten wir nicht widerstehen und nahmen ein größeres Stück für unterwegs mit.

Anschließend fuhren wir weiter nach Granada. Der Himmel war bedeckt, und es regnete stellenweise erneut. Die Menschenmassen und das unfreundliche Wetter hielten uns von einem Besuch der Alhambra ab. So ließen wir sie links liegen und fuhren weiter zum Paraje Natural Torcal de Antequera, das mit bizarren Karstformationen und surrealer Felslandschaft beeindruckt. Leider war das Wetter so schlecht, dass wir die außergewöhnliche Umgebung kaum erkennen konnten und auf eine Wanderung verzichteten.

6. März

Nach einer weiteren Übernachtung fanden wir in Antequera ein kleines Restaurant mit freundlicher Bedienung und genossen das Mittagsmenü. Das Wetter hatte sich inzwischen verschlechtert, und auf der Weiterfahrt in den Park verhinderten dichte Wolken und Nebel jegliche Sicht auf Berge oder Felsformationen. Der Regen war so heftig, dass uns auch die Lust auf eine Wanderung verging.

7. März

So beschlossen wir, unsere Fahrt nach Ronda fortzusetzen und von dort über mehrere der weißen Dörfer in Richtung Cádiz weiterzufahren. Die Strecke führte durch eine wunderschöne, bergige Landschaft – ein echtes Highlight dieser Reise.
In Grazalema machten wir Halt zum Mittagessen. Als Vorspeise wählten wir ein „Löffelgericht“, das sich als herzhafter Linseneintopf entpuppte – genau das Richtige nach den kühlen Tagen. Zum Hauptgang gab es Hackfleischbällchen und Zunge in Soße, beides gut gewürzt und angenehm deftig. Zum Abschluss genossen wir ein Stück Käsekuchen. Das Menü überzeugte uns rundum – und das Ganze für nur 11 Euro pro Person.

8. März

Das Wetter blieb schlecht, sodass wir die Bergwelt Andalusiens hinter uns ließen und stattdessen den Windmühlen in Kastilien-La Mancha einen Besuch abstatteten. Wir legten die Strecke so, dass wir pünktlich zur Mittagszeit in Membrilla ankamen.
Hier waren wir schon im letzten Jahr zweimal essen – auf Hin- und Rückreise – im Restaurant des Hotels Los Desmontes. Dieses Mal war es unser dritter Besuch. Wie immer war viel los, und wir mussten kurz warten, bis uns ein Tisch zugewiesen wurde. Die vertraute Atmosphäre und das gute Essen machten die Wartezeit mehr als wett.

Gestärkt entdeckten wir kurz darauf die ersten vier Windmühlen auf einem Hügel.

Anschließend fuhren wir weiter nach Campo de Criptana, wo die meisten Windmühlen auf engem Raum stehen – eindrucksvoll und gut erhalten. Obwohl es sehr stürmisch war, blieb es wenigstens trocken.

Gleich neben den Windmühlen konnten wir auf dem Parkplatz übernachten. In der Dämmerung wurden die Mühlen beleuchtet, was eine ganz besondere Stimmung erzeugte – ein unerwartet romantischer Stellplatz mit Blick auf ein Stück spanischer Geschichte.

9. März

Der Tag begann mit Nieselregen und bedecktem Himmel. Unser nächstes Ziel war Consuegra, der zweite bekannte Ort mit typischen Windmühlen. Glücklicherweise hörte der Regen auf, und zwischendurch zeigten sich sogar ein paar blaue Flecken am Himmel.
Allerdings stürmte es so heftig, dass wir Mühe hatten, uns auf den Beinen zu halten. Der Wind pfiff über den Bergrücken und machte das Fotografieren und Spazierengehen zur kleinen Herausforderung.
Auf dem Rückweg ins Tal begegneten uns mehrere Reisebusse mit Touristen – da wurde uns bewusst, wie voll es hier in der Hochsaison zugehen muss.

Wir setzten unsere Fahrt in die Extremadura fort. Unser Ziel war der Parque Nacional de Cabañeros.

Bereits auf dem Weg dorthin fiel uns ein ungewöhnliches Naturschauspiel am Himmel auf: Einige Geier kreisten in großer Höhe, zogen ihre weiten Kreise und flogen teilweise parallel zur Straße. Ihre majestätischen Flügelspannweiten und die ruhigen Bewegungen wirkten beinahe meditativ.

Kurz darauf entdeckten wir eine Ansammlung von etwa 50 Geiern auf dem Boden, nicht weit von der Straße entfernt. Sie saßen dicht gedrängt im Gras, als würden sie auf etwas warten. Das war ein seltener und faszinierender Anblick, der uns sofort in den Bann zog. Vorsichtig hielten wir am Straßenrand an, um die Szene nicht zu stören.

Als wir genauer hinsahen, bemerkten wir jedoch, dass nur wenige Meter von uns entfernt, hinter einem Zaun, ein toter Geier lag. Das Tier schien bereits eine Weile dort zu liegen, und seine Federn waren teilweise zerzaust. Nicht weit davon entdeckten wir auf der Straße einen dunklen Fleck, umgeben von losem Federflusen – offensichtlich die Überreste eines kürzlich verunglückten Vogels. Die traurige Szene ließ vermuten, dass der Geier wohl von einem vorbeifahrenden Fahrzeug erfasst und danach über den Zaun geschleudert worden war.

Während wir noch darüber nachdachten, hob plötzlich eine Gruppe von Geiern ab – fast so, als ob ein geheimes Signal gegeben worden wäre. Eine nach der anderen erhoben sie sich schwerfällig in die Luft, ihre Flügel warfen riesige Schatten auf den Boden. Das laute Flattern und das majestätische Aufsteigen schufen eine beeindruckende Szenerie, die wir gebannt beobachteten.

Noch verblüffender war, dass selbst die wenigen Geier, die zunächst am Boden geblieben waren, dem Beispiel folgten und schließlich ebenfalls abflogen. Innerhalb von wenigen Minuten war der Boden leer, und die Tiere zogen hoch am Himmel ihre weiten Kreise, bis sie immer kleiner wurden und schließlich kaum noch zu erkennen waren.

Zurück blieb nur der tote Geier am Zaun – und wir, still und beeindruckt von diesem unerwarteten Naturschauspiel, das uns mitten auf der Straße an die Zerbrechlichkeit und zugleich die beeindruckende Präsenz dieser Vögel erinnerte.

Nachdem wir uns von dem eindrucksvollen Geierschauspiel losgerissen hatten, fuhren wir weiter durch den Parque Nacional de Cabañeros. Die Landschaft beeindruckte mit schroffen Felsen und unberührter Natur, doch ein Anhalten oder Wandern war leider unmöglich, denn sämtliche abgehenden Seitenstraßen waren abgesperrt.

So ließen wir den Park in Horcajo de los Montes hinter uns und setzten unsere Fahrt in Richtung Guadalupe fort. Unterwegs sahen wir noch zweimal Geier hoch am Himmel kreisen, doch beide Male waren sie zu weit entfernt, um sie richtig beobachten oder fotografieren zu können.

Die Straßen waren fast menschenleer, und die Zeit verstrich langsam. Wir hielten vergeblich nach einem offenen Restaurant Ausschau und hatten unsere Hoffnung auf ein Mittagessen schon fast aufgegeben. Doch gegen 16 Uhr entdeckten wir schließlich ein kleines Lokal, das tatsächlich noch Mittagstisch anbot – offenbar ticken die Uhren in Spanien hier etwas anders als bei uns.

 

Die Speisekarte war überschaubar, doch wir vertrauten auf die Empfehlung des Kellners – eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als kleiner Fehler herausstellte.

Die Vorspeise, eine kräftige Hühnersuppe mit Nudeln, war noch sehr schmackhaft und wärmte nach dem kalten und feuchten Tag. Doch das Hauptgericht – ein Eintopf aus fettigem Fleisch, Kichererbsen, sauer eingelegtem Kraut und Blutwurst – traf nicht unseren Geschmack. Die Kombination war für uns etwas zu deftig und ungewöhnlich, sodass wir froh waren, dass der abschließende Milchreis mit Zimt wieder ein gelungener und milder Abschluss war.

 

In Guadalupe angekommen, erblickten wir schon von weitem das imposante Kloster, das hoch über dem Ort thront. Obwohl angeblich nur noch wenige Mönche dort leben, war der Besucherandrang enorm. Selbst außerhalb der Hauptsaison herrschte reger Betrieb: Überall liefen Gruppen von Touristen herum, und die Straßen sowie Plätze rund um das Kloster waren gut gefüllt.

Da uns der Trubel abschreckte, entschieden wir uns, nicht länger zu verweilen. Stattdessen fuhren wir noch ein Stück weiter und fanden schließlich eine ruhige Seitenstraße, auf der wir die Nacht verbrachten – ein stiller Rückzugsort nach einem bewegten Tag voller Naturerlebnisse und kulinarischer Überraschungen.

10. März

Am Morgen starteten wir bei bewölktem Himmel Richtung Trujillo. Als erstes steuerten wir die Entsorgungsstelle an – und waren überrascht, dass wir genau hier schon im letzten Jahr gestanden hatten. Damals übernachteten wir unweit der Stierkampfarena.

Frisch entsorgt und mit aufgefüllten Vorräten vom E.Leclerc ging es weiter in den Parque Nacional de Monfragüe – ein echtes Highlight, auf das wir uns besonders gefreut hatten.

Noch vor Trujillo entdeckten wir ein großes Areal mit Eichenbäumen, in dem zahlreiche schwarze Schweine grunzend herumliefen – höchstwahrscheinlich iberische Schweine, die später zu dem berühmten Schinken verarbeitet werden. Auch diese Szene kam uns bekannt vor: Tatsächlich hatten wir hier im letzten Jahr schon einen Stopp eingelegt.

Einige Schweine standen nah am Zaun, andere weiter hinten. Also holte ich mein Teleobjektiv raus, um ein paar gute Aufnahmen zu machen – diese typischen Bilder von Spaniens Dehesas sieht man ja nicht alle Tage.

Doch scheinbar erinnerten sich die Schweine an uns – oder zumindest an mögliche Futterspender – und plötzlich stürmten sie aus allen Ecken des Geheges heran. Innerhalb von Minuten drängten sich sämtliche Schweine direkt am Zaun, quiekten und schnüffelten neugierig. Ein herrlich skurriles Schauspiel, das uns zum Lachen brachte.

Wir blieben noch eine Weile bei dem quiekenden Empfangskomitee, bevor wir weiterfuhren – mit dem nächsten tierischen Highlight vor Augen: den majestätischen Geiern im Nationalpark Monfragüe.

Schon im letzten Jahr hatten wir die vielen kreisenden Geier über dem markanten Felsen bewundert, und auch diesmal wollten wir uns dieses Naturspektakel nicht entgehen lassen. Doch diesmal war mehr los: Parkplatzsuche wurde zur Geduldsprobe, und die Straße wimmelte von Besuchern – ganz anders als beim ruhigen Besuch im Vorjahr bei schlechterem Wetter.

Überall kreisten Vögel, einige direkt über der Straße, andere auf dem Felsen „Salto del Gitano“. Ein deutscher Besucher erzählte begeistert von der seltenen Blauelster, während sein Gesprächspartner lachend zugab, von Vögeln keine Ahnung zu haben und einfach nur gute Fotos machen zu wollen.

Viele Fotografen versuchten mit teurer Ausrüstung ihr Glück, doch ein deutscher Profi beschwerte sich lautstark, dass er trotz Riesentele kein vernünftiges Bild bekam – entweder waren die Vögel zu schnell oder an der falschen Stelle.

Ein netter älterer Spanier bot mir sein Tele-Fernglas an, perfekt auf ein Schwarzstorch-Paar mit Nachwuchs gerichtet. Ihm war das Geschehen scheinbar zu langweilig geworden, und er suchte lieber den Plausch mit anderen Gästen.

Die Geier faszinierten uns erneut – so mühelos wie sie mit weit ausgebreiteten Flügeln durch die Luft segeln, ist wirklich beeindruckend. Einer flog so nah vorbei, dass wir einige tolle Fotos schießen konnten.

 

Nach zwei Stunden meldete sich der Hunger. Im Park hielten wir an einem Restaurant, wurden freundlich bedient – auch wenn es keine Speisekarte gab. Ohne Spanischkenntnisse bestellten wir eine Sopa und einen Ensalada de Patatas. Als Hauptgericht gab es Fisch oder Rind, zum Nachtisch Pudding mit Keks. Es schmeckte gut, und mit 12 Euro pro Person war das mehr als fair. Zum Abschluss gönnten wir uns ein T-Shirt mit Geier-Motiv als Andenken.

Dann führte uns die Reise weiter in die Sierra de Francia, wo wir am Abend La Alberca erreichten. Da wir hier schon im letzten Jahr waren, steuerten wir direkt den bekannten Stellplatz an.

11. März

Am Morgen starteten wir in Richtung Galicien und fuhren weiter über die Grenze nach Portugal.

 

Der Grenzübertritt führte uns direkt an einem riesigen Staudamm vorbei, und kurz danach tauchten wir ein in eine bizarre Landschaft mit gigantischen, runden Felsblöcken – fast wie auf dem Mond.

 

Plötzlich fiel uns die Zeitverschiebung auf: In Portugal war es eine Stunde später als in Spanien. Also hieß es:

Schnell was essen! Gegen 14 Uhr entdeckten wir eine unscheinbare Kneipe mit vielen Autos davor – ein gutes Zeichen. Direkt vor der Tür parkten wir und gingen rein.

Wir bekamen einen Platz nahe der Küche und waren zunächst die einzigen Gäste. So konnten wir in Ruhe beobachten, was auf den Tellern der wenigen Gäste landete. Fast alle aßen große flache Terrinen mit Gulasch und dazu Reis, Pommes oder Kartoffeln. Das klang gut, aber dann kam die Kellnerin, die etwas Englisch sprach, und zeigte uns zwei riesige Koteletts, die gerade an einem Tisch serviert wurden.

Schnell änderten wir unsere Bestellung und wählten genau diese.

Kurz darauf kam frischer Salat, Oliven und Brot. In der offenen Küche sägte die Köchin mit einer großen Säge riesige Rinderkoteletts ab. Dann stellte die Bedienung eine Platte mit zwei gigantischen T-Bone-Steaks vor uns hin, dazu Orangenscheiben und zwei Schälchen Soßen – eine mit Knoblauch-Petersilien-Öl, die andere eine pikante Salsa aus eingelegtem Gemüse.

Die Portion wirkte fast einschüchternd – und dann kamen noch zwei weitere Platten mit einem Berg Reis und einem Haufen Pommes. Die Menge war kaum zu bewältigen, doch natürlich ließen wir uns die Schokomousse zum Schluss nicht entgehen.

Wir rechneten mit mindestens 60 Euro – doch die Rechnung belief sich auf erstaunliche 36 Euro, wobei die Nachspeise mit 5 Euro fast das Teuerste war.

Sollten wir nochmal in der Gegend sein, ist klar: Da kehren wir garantiert wieder ein!
Restaurant O Pombal, R. João Gonçalves Nº18, 5300-846 Bragança, Salsas, Portugal

Gestärkt fuhren wir weiter nach Bragança und dann zurück nach Spanien nach Puebla de Sanabria, einem der schönsten Dörfer Spaniens.

Der Regen war zurückgekehrt, und dichte Wolken hingen tief über dem Tal. Immerhin fanden wir einen schönen Stellplatz direkt am Fluss. Auf einer kleinen Insel im Wasser stand ein einzelner riesiger Baum mit einem Storchenpaar darin – ein malerischer Anblick trotz des trüben Wetters.

Der Ort liegt hoch oben auf einem Berg, doch der Regen und die Wolken hielten uns vom Aufstieg ab. So ließen wir den Tag ruhig mit einem Hörbuch im Wohnmobil ausklingen.

12. März

Der Sonntag startete typisch spanisch: Keine geöffneten Bäckereien oder Supermärkte weit und breit. Also fuhren wir ohne Frühstück los und begnügten uns mit einem Sandwich aus dem Kühlschrank.

In Astorga fielen uns viele Cafés mit Schildern „Fábrica de Mantecadas de Astorga“ auf. Wir recherchierten kurz und fanden heraus, dass es sich um eine lokale Gebäckspezialität handelt. Also parkten wir und kauften einige davon.

Geschmacklich konnten sie uns nicht völlig überzeugen – der große Hype um die Mantecadas blieb für uns ein kleines Rätsel.

Aufschrift „Fábrica de Mantecadas de Astorga“ auf. Unsere Neugier war geweckt, also googelten wir kurz und erfuhren, dass es sich dabei um eine lokale Gebäckspezialität handelt. Wir suchten uns einen Parkplatz und kauften einige dieser traditionellen Küchlein. Es gab verschiedene Varianten, doch unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen – der große Hype um die Mantecadas blieb für uns ein kleines Rätsel.

Auf der Weiterfahrt Richtung Ponferrada wurden wir plötzlich von der Polizei angehalten. Nach kurzer, freundlicher Kontrolle des Führerscheins durften wir weiterfahren.

In Ponferrada entschieden wir uns für ein chinesisches Restaurant – leider eine Fehlentscheidung. Das schlechteste Essen unserer ganzen Reise. Immerhin fanden wir einen Stellplatz in der Nähe, wo wir nach dem enttäuschenden Mittagessen ein kurzes Nickerchen hielten.

Danach fuhren wir nur noch ein kleines Stück weiter zu den Minen von Las Médulas. Nach abenteuerlicher Irrfahrt durch enge Straßen fanden wir doch noch unser Ziel – und einen perfekten Stellplatz direkt am Friedhof.

gesamten Reise. Immerhin gab es in der Nähe einen Stellplatz, auf dem wir nach dem enttäuschenden Mittagessen ein kurzes Schläfchen einlegen konnten.

Anschließend ging es nur noch ein kleines Stück weiter zu den Minen von Las Médulas. Nach einer abenteuerlichen Irrfahrt durch enge Straßen und verwinkelte Wege erreichten wir schließlich doch noch unser Ziel – und fanden sogar einen perfekten Stellplatz direkt am Friedhof.

Nach einer Pause machten wir eine kurze Wanderung in den Ort und weiter zu den nahegelegenen Seen. Von dort bot sich ein grandioser Blick auf die roten Felsformationen.

Auf dem Rückweg kauften wir ein Fläschchen Feigenlikör, das wir am Abend direkt verkosteten.

13. März

Der Tag begann mit einem atemberaubenden Morgenrot – doch wie das Sprichwort sagt: „Morgenrot, Schlechtwetter droht.“

Kaum waren wir losgefahren, wurde der Himmel dunkler, und es regnete immer wieder. Unterwegs sahen wir mehrere Regenbögen.

Zur Mittagszeit machten wir Halt an einer kleinen Kneipe am Straßenrand. Eine Speisekarte gab es wieder einmal nicht, also einigten wir uns mit der freundlichen Bedienung auf ein Menü.

Zur Vorspeise gab es Nudelsalat mit Thunfisch, als Hauptgericht Kabeljau mit Kartoffeln und zum Nachtisch eine Tarta de Santiago – inzwischen hatten wir auch das Wort „Postre“ kapiert!

Unsere neuen spanischen Vokabeln des Tages: Bacalao = Kabeljau, Postre = Nachtisch.

Auf der Weiterfahrt erwischte uns ein kräftiger Hagelschauer. Am Abend erreichten wir die Küste bei Boiro und fanden mitten im Ort einen ruhigen Stellplatz direkt am Wasser. Kaum hatten wir uns eingerichtet, setzte erneut heftiger Regen ein.

14. März 

Am Morgen war das Wetter wieder strahlend schön. Frisch gestärkt mit knusprigem Baguette, das wir unterwegs besorgt hatten, genossen wir ein Frühstück mit Aussicht an den großen Dünen.

Weiter ging es zum Leuchtturm von Cabo Corrubedo. Die gewaltige Brandung und das tosende Meer waren beeindruckend – ein echtes Naturschauspiel. Die Gischt türmte sich zu weißen Schaumbergen auf, während die Wellen gegen die schroffe Felsküste peitschten. Ein grandioser Moment, den wir ganz für uns allein hatten. Nur der Müll am Strand trübte das Bild ein wenig.

Wir fuhren weiter an der Küste entlang und bemerkten ungewöhnliche Anpflanzungen am Straßenrand. Google verriet uns, dass es sich dabei um Stockkohl handelt – auch bekannt als Couve Galega oder Galizischer Kohl. Immer wieder sahen wir ältere Frauen und Männer, die mit Schubkarren die geernteten Blätter transportierten. Diese Pflanze ist besonders praktisch: Sie wächst bis zu zwei Meter hoch, und man kann nach Bedarf einzelne Blätter ernten. So hat man über lange Zeit hinweg stets frisches Gemüse aus dem eigenen Garten zur Verfügung.

Über Noia und Muros ging es weiter in Richtung Fisterra. Unterwegs kehrten wir in einem kleinen Restaurant ein und bekamen zum ersten Mal Tortilla de Patatas als Vorspeise serviert. Als Hauptgericht gab es Geschnetzeltes mit Pommes – nichts Besonderes, aber es machte satt und gab uns neue Energie für die Weiterfahrt.

 

In Fisterra erreichten wir das offizielle Ende des Jakobswegs, markiert durch den berühmten Kilometerstein „0 Km“. Viele Pilger waren unterwegs, manche warfen ihre alten Wanderschuhe symbolisch ins Meer. Nach einem Spaziergang zum Leuchtturm und einem kurzen Innehalten setzten wir die Reise bald fort.

Auf der Suche nach einem ruhigen Übernachtungsplatz erreichten wir das Kap Touriñán, den westlichsten Punkt des spanischen Festlands. Die spektakuläre Aussicht auf den Atlantik und der magische Sonnenuntergang machten den Tag perfekt.

Als die Dunkelheit hereinbrach, begann der Leuchtturm zu blinken, und wir schliefen mit dem gleichmäßigen Blinklicht und dem Meeresrauschen ein – eine ganz besondere Nacht.

15. März

Am Morgen setzten wir unsere Reise entlang der galicischen Küste fort. Zuerst erreichten wir Muxía, wo Natur und Spiritualität auf beeindruckende Weise miteinander verschmelzen. Danach fuhren wir weiter nach Laxe, einem kleinen Küstenort mit einem schönen Strand und einer entspannten Atmosphäre. Von dort führte uns die Route schließlich nach Ferrol, einer Hafenstadt mit maritimem Flair und einer spannenden Geschichte.

Typisch für Galicien und Nordspanien sind die sogenannten Hórreos – traditionelle Speicherbauten zur Lagerung von Feldfrüchten wie Mais. Sie stehen erhöht auf steinernen Pfeilern, die mit flachen Platten, den sogenannten „Tornarratos“, abschließen, um Nagetiere fernzuhalten. Die Wände bestehen meist aus Holz oder Stein und sind mit schmalen Luftschlitzen versehen, damit die Vorräte gut belüftet und vor Feuchtigkeit geschützt bleiben. Charakteristisch sind außerdem die ziegelgedeckten Satteldächer, die oft mit Kreuzen oder Obelisken verziert sind – Symbole mit religiösem oder regionalem Bezug.

Zur Mittagszeit fiel uns eine große Gruppe Handwerker auf, die alle in dieselbe Richtung unterwegs waren – ein sicheres Zeichen für ein gutes und preiswertes Lokal. Also suchten wir zunächst einen Parkplatz und folgten den Arbeitern zum Restaurant.

Als wir das Lokal fanden, waren wir zunächst überrascht: Im Eingangsbereich standen Schränke mit Dry-Aged-Fleisch, und schwarzgekleidete Kellner huschten geschäftig zwischen den Tischen umher. Noch bevor wir überlegen konnten, ob wir uns nicht doch ein einfacheres Restaurant suchen sollten, wurde uns freundlich ein Tisch mit schwarzer Tischdecke und Stoffservietten zugewiesen. Für jeden gab es ein frisch gebackenes Brötchen – doch eine Speisekarte fehlte. Wir schauten kurzerhand beim Nachbartisch in die Karte, doch unsere Sorge war unbegründet: Die Preise entsprachen dem Niveau eines typischen Mittagsmenüs. Die Tagesempfehlung war Schweinshaxe mit Beilagen, die wir bei vielen Gästen bereits auf den Tischen sahen.

 

Zur Vorspeise bestellten wir ein Omelette und galizischen Blumenkohl. Das Omelette war gelungen, doch der Blumenkohl überzeugte uns weniger – den muss man nicht unbedingt probieren.

Eigentlich waren wir nach den Vorspeisen schon satt, doch dann kam der Hauptgang: Eine riesige Schweinshaxe und mehrere Fleischpflanzerl – so großzügige Portionen, dass selbst ein ausgehungerter Sumo-Ringer Mühe gehabt hätte. Die Qualität war erstklassig – zartes Fleisch, perfekt gewürzt. Im Nachhinein wurde uns klar, warum auf der Karte halbe Portionen angeboten wurden.

 

Mehr als gestärkt setzten wir unsere Fahrt fort zum Cabo Prior, wo uns erneut die tosende Brandung und die imposanten Wellen in ihren Bann zogen. Die raue Küstenlandschaft beeindruckte uns sehr, doch da der Wetterbericht für den nächsten Tag erneut Regen und Sturm vorhersagte, beschlossen wir, weiterzufahren.

Über viele verschlungene Straßen erreichten wir schließlich die höchsten Klippen Europas bei Vixia de Herbeira. Dort fanden wir einen Parkplatz nahe einer Windkraftanlage und entschieden, die Nacht dort zu verbringen. Im Nachhinein war das keine gute Idee – der Sturm peitschte unaufhörlich über das Plateau und ließ unser Wohnmobil die ganze Nacht erzittern. An erholsamen Schlaf war kaum zu denken.

16. März

Zum Geburtstag begann der Morgen versöhnlich mit einem herrlichen Morgenrot. Die ersten Sonnenstrahlen tauchten den Himmel in leuchtende Farben und ließen uns die regnerischen Tage fast vergessen – ein schöner Start in einen besonderen Tag.

Wir passierten zahlreiche kleine Dörfer und folgten bei Ribadeo dem Wegweiser zum Leuchtturm. Der Faro de Isla Pancha steht malerisch auf einer kleinen Insel, die über eine schmale Brücke mit dem Festland verbunden ist. Die Aussicht auf das Meer und die raue Küste war beeindruckend – ein lohnenswerter Abstecher.

Menü del día – 12 € (inkl. MwSt.)

Erster Gang (Primeros):

  • Paella

  • Krabbensalat (Ensalada de cangrejo)

  • Rührei mit Champignons und Schinken (Revuelto de champiñones y jamón)

  • Kohl mit Schinken (Repollo con jamón)

Zweiter Gang (Segundos):
(Wahlweise mit Pommes frites oder Salat)

  • Seehecht nach römischer Art (Merluza a la romana)

  • Ofenhähnchen (Pollo al horno)

  • Hausgemachte Fleischbällchen (Albóndigas caseras)

  • Gekochter Schweinenacken (Lacón cocido)

Dessert (Postre):

  • Vanillepudding mit Keks (Natillas con galletas)

  • Flan mit Ei (Flan de huevo)

  • Milchreis (Arroz con leche)

  • Joghurt / Saisonfrüchte / Quark (Requesón) / Eis

Das Geburtstagsmenü

Weiter ging es über Felder, Berge und kleine Dörfer zum Hafen in El Puntal, wo wir einen ruhigen Stellplatz für die Nacht fanden. Der nächste Morgen begann erneut mit Regen, und die tiefhängenden Wolken ließen wenig Hoffnung auf Besserung. Trotzdem machten wir uns auf den Weg zum Nationalpark Picos de Europa, in der Hoffnung, dort besseres Wetter und die beeindruckende Bergwelt genießen zu können.

17. März

In Cangas de Onís besichtigten wir die alte Römerbrücke und starteten anschließend eine Rundfahrt rund um den Pico Europa in Richtung Panes. Doch nach etwa 30 Kilometern war plötzlich Schluss: Ohne Vorwarnung war die Straße in Las Arenas gesperrt. So blieb uns nichts anderes übrig, als den ganzen Weg zurück nach Cangas de Onís zu fahren.

 

Zur Mittagszeit kamen wir zurück und nutzten die Gelegenheit für einen kleinen Stadtbummel. Wir kauften Likör, Schuhe, Süßigkeiten und einige Mitbringsel. Anschließend kehrten wir an einem belebten Platz zum Mittagessen ein.

Gestärkt setzten wir unsere Fahrt fort – diesmal in die andere Richtung rund um den Nationalpark.

Doch wieder machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es regnete ununterbrochen, zeitweise wie aus Eimern. Die Schönheit der Landschaft konnten wir nur erahnen, denn tiefhängende Wolken nahmen uns die Sicht auf die Berge. Die Straße schlängelte sich in engen Serpentinen den Hang hinauf, teilweise unter überhängenden Felsen, die mit Drahtgittern gegen Steinschlag gesichert waren. Am Straßenrand lag stellenweise noch Schnee. Trotz des starken Regens fuhren wir weiter bis zum Stausee bei Riaño. Dort standen am Straßenrand ein paar traurige, durchnässte Pferde – ein melancholischer Anblick.

Wir tankten und fuhren nur ein kurzes Stück weiter, bis wir in einem kleinen Ort mit einer alten römischen Brücke einen Platz zum Übernachten fanden. Kaum angekommen, setzte starker Regen ein, der später sogar in Hagel überging. Es war einer dieser Abende, an denen man sich einfach nur ins Trockene zurückziehen möchte.

18. März

Der Morgen war erneut kalt und wolkenverhangen – nichts, was auf Besserung hoffen ließ.

Unsere Weiterfahrt führte uns in stetigen Serpentinen immer höher hinauf, und der Regen ging allmählich in Schnee über. Je weiter wir fuhren, desto häufiger und größer wurden die Schneefelder am Straßenrand.

Schließlich erreichten wir den höchsten Punkt der Strecke. Von dort aus schlängelte sich die Straße in weiten Kurven talwärts, vorbei an schneebedeckten Gipfeln hinein in ein leuchtend grünes Tal – ein starker Kontrast zu den umliegenden Bergen.

Ein Stück weiter entdeckten wir am Straßenrand das Besucherzentrum „Sotama“ und legten spontan einen Stopp ein. Von außen beeindruckte das moderne Gebäude mit klarer Architektur und weckte Erwartungen an eine interessante Ausstellung. Doch im Inneren wurden wir enttäuscht: Unscharfe Fotos, kaum interaktive Elemente und wenige Exponate ließen den Ort lieblos wirken. Es schien, als sei das Geld in die Hülle geflossen, für den Inhalt blieb nichts übrig.

Immerhin gab es einen informativen Flyer, aus dem wir erfuhren, dass im Nationalpark rund 330 Braunbären leben sollen – eine überraschend hohe Zahl, die uns noch einen spannenden Gedanken mit auf den Weg gab.

Unsere Reise führte uns weiter nach Santillana del Mar, wo wir mitten in der Stadt überraschend einen kostenlosen Parkplatz fanden. Kaum ausgestiegen und startbereit für einen Rundgang, begann es – wie so oft auf dieser Reise – erneut zu regnen. Mit Regenjacken und Schirm machten wir uns auf den Weg in die Altstadt. Doch schon nach wenigen Schritten wurde der Regen stärker, und das Kopfsteinpflaster verwandelte sich in eine glitschige Pfützenlandschaft.

Kurzentschlossen suchten wir Zuflucht in einem Restaurant und entschieden uns für das Mittagessen. Zur Vorspeise gab es Salat und eine kräftige Fischsuppe, gefolgt von einem Lammeintopf und Hühnchen als Hauptgerichte. Den Abschluss bildete ein feiner Schokokuchen.

Da Santillana ein beliebter und gut besuchter Ort ist, zahlten wir für das Mittagsmenü 17 Euro pro Person – etwas mehr als sonst, aber angesichts der Lage durchaus gerechtfertigt.

Nach dem Essen wollten wir die berühmten Höhlenmalereien von Altamira besuchen. Wir hatten bereits einiges darüber gelesen und wussten, dass die Originalhöhle aus Schutzgründen geschlossen ist und stattdessen eine exakte Nachbildung im Museum zu sehen ist.

Die Fahrt dorthin war kurz, und auf dem weitläufigen Gelände fanden wir problemlos einen Parkplatz. Die Museumsgebäude wirkten modern und großzügig. Zur Freude aller war der Eintritt am Wochenende sogar kostenlos.

 

Beim Einlass erhielten wir ein Ticket mit einer Uhrzeit, was uns zunächst überraschte. Im Museum wurde uns klar, dass der Zugang zur Nachbildung der Höhle zeitlich gestaffelt ist. So warteten wir vor einem Tor, bis unsere Einlasszeit kam.

Die Wartezeit nutzten wir, um die wenigen Ausstellungsstücke und Bilder in den Gängen zu betrachten. Als unsere Zeit gekommen war, wurden wir in einen Raum geführt, wo ein Film gezeigt wurde. Leider war die Qualität enttäuschend – sowohl inhaltlich als auch technisch sehr einfach gehalten.

Anschließend besichtigten wir zwei Räume, die die Höhle von Altamira nachstellen sollten. Doch auch hier wirkte die Inszenierung künstlich und eigenartig. Die Atmosphäre war eher steril als beeindruckend, sodass wir nach einem kurzen Rundgang das Museum verließen.

Insgesamt verbrachten wir etwa 30 Minuten dort, bevor wir unsere Fahrt in Richtung Reinosa fortsetzten. Dort angekommen suchten wir – erneut bei starkem Regen – einen Übernachtungsplatz. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse verbrachten wir eine ruhige Nacht.

19. März

Am Morgen setzten wir unsere Fahrt in Richtung Vitoria-Gasteiz fort. Unterwegs legten wir einen Stopp zum Mittagessen ein – mit 20 Euro pro Person zwar etwas teurer, dafür aber wirklich gut.
Die Weiterfahrt verlief ruhig, wenn auch wenig spektakulär. In Vitoria angekommen, regnete es erneut. Trotz Sonntag war der Verkehr erstaunlich dicht, und einen Parkplatz zu finden, war nahezu unmöglich. Bei diesem Wetter hatten wir wenig Lust auf einen Stadtspaziergang und entschieden uns daher, direkt weiter in Richtung Bardenas Reales zu fahren.

Als Ziel gaben wir Arguedas ins Navi ein und waren überrascht, dass es dort mehrere große Stellplätze gibt. Noch am Abend machten wir einen kurzen Spaziergang und besichtigten einige der Höhlenwohnungen. Die eigentliche Rundfahrt durch den Park starteten wir jedoch erst am nächsten Morgen.

 

20. März

Die Straße begann asphaltiert, ging jedoch bald in Schotterpisten über. Kurz nach Start unserer Rundfahrt entdeckten wir ein Informationszentrum mit großem Parkplatz und legten dort einen Stopp ein.

Das moderne Gebäude weckte unsere Neugier, doch die Enttäuschung folgte schnell: Nach einem kleinen Eingangsraum war die nächste Tür verschlossen. Nach etwas Warten wurden wir zwar in einen weiteren Vorraum gelassen, doch auch von dort aus ging es nicht weiter.

Bis auf einen riesigen, ausgestopften Geier an der Decke gab es nichts zu sehen, also setzten wir unsere Fahrt fort.

Schon bald fühlte man sich wie in Arizona: Die Landschaft wurde karger, roter Sand und bizarre Felsformationen dominierten das Bild. Der Schotterweg schlängelte sich durch eine unwirkliche Szenerie, die eher an einen Wildwest-Film erinnerte als an Nordspanien. Wir folgten dem langen Rundweg, der uns an beeindruckenden Felsformationen vorbeiführte – jede einzigartig in Form und Farbe, vom Wind über Jahrtausende geformt.

Nach einer Weile kamen wir wieder am Infozentrum vorbei und verließen den Park. Die eindrucksvolle, fast surreale Landschaft hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen – eine Kulisse wie aus einem Roadmovie. Während wir langsam zurück zur Hauptstraße fuhren, reifte in uns der Entschluss: Es wird Zeit, bald wieder in die USA zu fliegen. Der Gedanke an endlose Highways, echte Canyons und weite Nationalparks packte uns erneut fest.

Es ging weiter mit dem Ziel Riglos, in der Hoffnung, dort noch einmal viele Geier zu sehen. Auch hier waren wir schon im letzten Jahr – damals hatten wir unsere ersten spanischen Geier entdeckt. Als wir diesmal ankamen, ragte der beeindruckende Felsen wie gewohnt majestätisch in den Himmel, und tatsächlich kreisten zahlreiche Vögel darüber.
Leider waren sie jedoch so weit entfernt, dass man sie nur als kleine schwarze Punkte am Himmel erkennen konnte. Ein wenig enttäuschend – doch die Landschaft rund um Riglos bleibt dennoch faszinierend.

Der Fluss auf dem Foto ist der Río Gállego. Er fließt durch die Region Aragón im Nordosten Spaniens und verläuft nahe dem Ort Riglos, wo auch die markanten Felsformationen Mallos de Riglos zu sehen sind.

So beschlossen wir, unsere Heimreise anzutreten – zunächst mit einem Abstecher über San Sebastián, wo wir das Aquarium besuchen wollten. Danach sollte es weiter an der Küste entlang über Biarritz in Richtung Bordeaux gehen.
In San Sebastián war der Verkehr sehr dicht. Zahlreiche Zweiräder waren unterwegs, und es gab große, extra ausgewiesene Parkflächen nur für Mopeds und Motorräder. Dank Navi fanden wir den Weg entlang der Küste zum Aquarium. Nachdem wir bereits die ganze Stadt durchquert hatten und nur noch ein Kilometer vom Ziel entfernt waren, war die Straße plötzlich wegen Bauarbeiten gesperrt. Auch Parkmöglichkeiten gab es an dieser Stelle keine. So gaben wir den Plan auf und fuhren weiter.
Der Trubel an der Küste war überwältigend – auch in Biarritz wurde es nicht besser. Anlässlich von Frühlingsfesten waren viele Straßen gesperrt. Ein Zugang zum Strand war nicht möglich, da wir immer wieder umgeleitet wurden. So setzten wir unsere Fahrt entlang der Küste fort. Vom Meer war jedoch kaum etwas zu sehen, da die Straße weit im Hinterland verlief. Wir fuhren von einer Villensiedlung zur nächsten und durchquerten unzählige Kreisverkehre.
Nach mehreren Stunden eher ereignisarmer Fahrt entschieden wir uns, die Route zu ändern und gaben Toulouse als neues Ziel ins Navi ein.

Unsere Fahrt führte nun entlang der schneebedeckten Pyrenäen. Kurz überlegten wir, doch noch einen Abstecher in die Berge Spaniens zu machen, entschieden uns aber dagegen. Die Reise sollte allmählich ausklingen.
Für die Nacht stellten wir uns auf einen leeren Parkplatz in einem kleinen Ort. Doch schon bald füllte sich der Platz zusehends – ein Wegfahren wäre bald unmöglich gewesen. Offenbar fand im nahegelegenen Gemeindehaus eine Veranstaltung statt, vermutlich ein Bingo-Abend oder Ähnliches.
Mitten in der Nacht verließen alle Gäste gleichzeitig das Gelände – und endlich kehrte Ruhe ein.

 

Am nächsten Tag passierten wir Toulouse, wurden jedoch immer wieder durch Straßensperrungen aufgehalten und gerieten mehrfach in Staus. Grund waren Streiks – Demonstrierende protestierten gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters in Frankreich.


Wir fuhren noch bis in die Gegend um Le Puy-en-Velay und fanden dort einen ruhigen Stellplatz an einer Burg für die Nacht.
Am folgenden Tag traten wir die letzte Etappe an und fuhren direkt nach Hause.

Ob wir noch einmal nach Spanien reisen werden, wissen wir nicht. Vieles war weniger erfreulich – besonders das Wetter machte uns oft einen Strich durch die Rechnung. Doch es gab auch viele schöne Erlebnisse: die majestätischen Geier, die Extremadura mit ihren lustigen Schweinchen, die Windmühlen der La Mancha und nicht zuletzt die beeindruckenden Küsten Galiziens. Die Spanier begegneten uns stets freundlich, und Mittagessen sowie Stellplätze waren meist problemlos zu finden.
Wieder zu Hause angekommen, haben wir direkt Flüge in die USA gebucht.

Unser Fazit:

Trotz einiger Wetterkapriolen und unvorhergesehener Hindernisse war unsere Reise durch Spanien und Nordspanien eine bereichernde Erfahrung. Die abwechslungsreichen Landschaften von den wilden Küsten Galiziens über die karge Schönheit der Bardenas Reales bis hin zu den majestätischen Pyrenäen boten immer wieder beeindruckende Eindrücke. Besonders die Begegnungen mit den freundlichen Menschen und die kulinarischen Highlights haben unsere Tour geprägt und für viele schöne Erinnerungen gesorgt.

Auch wenn nicht immer alles glatt lief und manche Pläne wegen Regen oder Sperrungen ins Wasser fielen, konnten wir viel entdecken und genießen. Die Reise hat uns gezeigt, wie vielseitig Spanien ist und wie viel es noch zu erkunden gibt. Dennoch lockt uns die Weite und Freiheit der USA jetzt wieder mehr – weshalb wir mit Vorfreude schon unsere nächste Reise dorthin planen.

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Wohnmobil Winterreise Nordspanien 2022

🚐 Endlich wieder unterwegs

Unsere Nordspanien Winterreise mit dem Wohnmobil begann Ende Februar – und zwar mit genau dem Wetter, das man sich eigentlich nicht wünscht, wenn man in den Süden fährt: Regen, Kälte und dieses graue „wirklich jetzt?“ draußen vor der Scheibe.

Die ersten Kilometer waren entsprechend unspektakulär. Wobei „unspektakulär“ bei uns meistens nur die Ruhe vor dem Sturm ist.

Während wir Richtung Bodensee rollten, war die Stimmung im Wohnmobil irgendwo zwischen Vorfreude, Kaffee und der leisen Hoffnung, dass es weiter südlich irgendwann besser wird.

Frankreich begrüßte uns dann auch nicht gerade mit offenen Armen. Eher mit nasser Straße, grauem Himmel und einem Navi, das bei jedem kleinen Höhenzug nervös wurde.

Aber genau da beginnt für uns oft schon das Reisen: nicht im Sonnenschein, sondern im Unterwegssein.

Und natürlich wurde unterwegs eingesammelt, was eben so dazugehört. Linsen, Speck, Salami – alles direkt beim Erzeuger. Wenn schon grauer Himmel, dann wenigstens guter Inhalt im Kühlschrank.

🇫🇷 Durch Frankreich Richtung Süden

Je weiter wir fuhren, desto mehr wurde aus „wir schauen mal“ ein „wir kommen tatsächlich an“.

Die Landschaft blieb lange zurückhaltend, aber genau dieses langsame Durchqueren hat seinen eigenen Charme. Kleine Dörfer, leere Straßen und dieses Gefühl, irgendwo zwischen Alltag und Aufbruch zu hängen.

Irgendwo kurz hinter Le Puy-en-Velay blieb uns dann ein kurzer Blick hängen: eine Landschaft, die gleichzeitig schön und ein bisschen melancholisch wirkte. Genau diese Mischung bleibt oft länger im Kopf als jede Sehenswürdigkeit.

⛰️ Die ersten verschneiten Pyrenäen

Und dann kam er: der Moment, in dem sich alles verändert.

Die Pyrenäen tauchten auf. Erst schemenhaft, dann immer klarer. Und plötzlich standen da diese Berge – weiß, mächtig und komplett unbeeindruckt davon, dass wir gerade angekommen waren.

Ab da wurde die Fahrt spannend.

Serpentinen, Schnee am Straßenrand, Felsen direkt neben der Fahrbahn. Und wir mittendrin, mit diesem typischen Gefühl von: „Gut, dass wir losgefahren sind.“

Die Landschaft wurde immer wilder und irgendwann hatten wir mehr mit Staunen als mit Fahren zu tun.

🇪🇸 Endlich Spanien und Aínsa

Der Grenzübertritt bei Vielha war unscheinbar – kein großes Schild, kein Drama. Aber für uns trotzdem ein kleiner Wendepunkt: Spanien!

Und dann kam Aínsa.

Der Stellplatz lag perfekt: direkt am Fluss, mit Blick auf die alte Festung und nur wenige Schritte zur Altstadt.

Aínsa selbst war wie aus einem Film.

Stein, enge Gassen, Kopfsteinpflaster und über allem die Castillo Fortaleza de Aínsa, die seit Jahrhunderten einfach da steht.

Am Abend wurde es besonders schön. Wenn das Licht weicher wird und die Berge im Hintergrund langsam dunkel werden, hat der Ort etwas fast Magisches.

🪨 Lavaderos, Huhn und kleine Entdeckungen am Weg

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Lleida.

Und wie so oft waren es nicht die großen Sehenswürdigkeiten, sondern die kleinen Dinge am Straßenrand, die hängen geblieben sind.

Ein alter Lavadero, eine historische Waschstelle.

Ein geschnitztes Holzhuhn, das einfach irgendwo stand, als wäre es schon immer dort gewesen.

Und überall diese kleinen Holzkunstwerke, die man nicht einordnen kann und genau deshalb nicht vergisst.

🪨 Abrigos del Tozal de Mallata – Felszeichnungen

Dann kam einer dieser Orte, die man nicht einfach besucht, sondern erlebt.

Die Felszeichnungen von Abrigos del Tozal de Mallata.

Schon der Weg dorthin war besonders: weite Blicke, offene Landschaft, Ruhe.

Der Aufstieg war dann alles andere als gemütlich: schmale Pfade, steinige Abschnitte, Leitern, ein bisschen Klettern.

Oben angekommen standen wir vor über 6.000 Jahre alten Felszeichnungen – Tiere, Menschen, Jagdszenen.

Man schaut drauf und merkt plötzlich, wie jung alles andere eigentlich ist.

🪶 Geier, Brücke und kleine Zwischenmomente

Auf der gegenüberliegenden Felswand kreisten Geier in der Thermik, als hätten sie auf diesen Moment gewartet.

Später führte uns der Weg noch zu einer alten Steinbrücke – schmal, leicht wackelig, aber genau deshalb perfekt.

🌧️ Und plötzlich war alles anders

Dann kam die Nachricht.

Corona im Betrieb. Viele Mitarbeiter betroffen.

Und plötzlich war klar: Wir müssen zurück.

Die Entscheidung war schnell getroffen, aber trotzdem schwer.

Also ging es zurück durch Frankreich, vorbei an Barcelona, Richtung Heimat.

Vorher noch ein letzter Einkauf im spanischen Supermarkt – Brot, Gemüse, Chorizo. Ein stiller Abschied in Lebensmitteln.

🚐 Unser Fazit zur Nordspanien Winterreise

Unsere Nordspanien Winterreise mit dem Wohnmobil war kurz, intensiv und voller Kontraste.

Von Regen und grauen Straßen über verschneite Berge bis hin zu mittelalterlichen Städten und uralten Felszeichnungen.

Auch wenn die Reise früher endete als geplant, bleibt genau das hängen: die Mischung aus Planung, Zufall und diesen Momenten, die man nicht planen kann.

Manchmal sind es nicht die langen Reisen, die am meisten erzählen – sondern die, die plötzlich aufhören.

👉 Mehr Reiseberichte findest du hier: Online-Nomaden

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